04.12. – 06.12.1990 – Bangkok
Wir schlafen bis 9:30 Uhr, duschen und wecken die Kinder, die immer noch pennen. Um 10 Uhr gehen wir zum Frühstück – 2 x american und 1 x intercontinental breakfast. Orangensaft, garniert mit einem Schnitz und einer Blume, Tee, Toast, 2 Eier mit Schinken, Marmelade, Butter, Milch. Wir schlagen zu, inklusive Julian, der schon wieder mit allen Leuten schäckert.
Nach dem Frühstück, so gegen 12:30 Uhr, machen wir uns auf zum Bahnhof, im Tuk-Tuk versteht sich. Ich bezahle 100 Baht für die Fahrt, viel zu viel, wie sich später herausstellt. Am Bahnhof steht niemand am Schalter. Also gehe ich hin und frage nach Tickets, aber der Mann am Schalter ignoriert mich vollkommen. Als ich verständnislos frage, deutet er auf Menschen, die auf Bänken hinter mir sitzen und auf einen Kasten, an dem man eine Nummer ziehen muss. Ich begreife, dass diese Leute alle für Tickets anstehen. Mit einem Entschuldigungsblick reihen wir uns in die Warteschlange ein. Wir erwerben die Fahrkarten für den Nachtzug der uns am 6. Dezember nach Surat Thani im Süden Thailands bringen soll.
Vom Bahnhof nehmen wir wieder ein Tuk-Tuk zum Königspalast – Grand Palace and Emerald Buddha Temple. Diesmal handele ich den Preis runter. Der Palast ist gigantisch und wir sind begeistert. Leider sind einige Bauten geschlossen, weil morgen der König Geburtstag hat und die Vorbereitungen im Gang sind. So schön haben wir uns das nicht vorgestellt. Julian wird die ganze Zeit im Snuggly getragen. Trotzdem sind die asiatischen Touristen nicht davon abzuhalten, immer wieder seine blonden Haare zu streicheln. Überall heisst es „Baby, baby“ und viele wollen sogar Fotos von uns machen. Wir sind die Hauptattraktion. Lucas wird langsam eifersüchtig, dass Julian so viel Aufmerksamkeit bekommt. Julian entwickelt geradezu Angst, wenn wieder fremde Frauen auf uns zu laufen und beginnt manchmal zu weinen, wenn sie zu aufdringlich werden. Blonde Kinder sind für Asiatinnen extrem anziehend.















Danach schlendern wir durch die Strassen, überall scheint Markt zu sein und überall gibt es auch was zu essen. Wir beobachten Heuschrecken, die mit gebrochenen Flügeln am oberen Rand eines Woks entlanglaufen und bei Bestellung einfach in den heissen Bereich geschnippt und dort angebraten werden. Wir essen eine Suppe, die sogar Julian schmeckt. Lucas hingegen ist ziemlich erledigt. Nach dem Essen fahren wir mit dem Expressboot auf die andere Seite des Flusses und besichtigen den Tempel Wat Arun kurz vor Sonnenuntergang. Wir steigen eine irrsinnig steile Treppe hoch und haben schöne Blicke auf die Stadt. Aber wir haben völlig vergessen, dass es in Bangkok um 18 Uhr Nacht ist. So stehen wir also nachts an einer Kreuzung irgendwo in Bangkok, Julian hängt schlafend im Snuggly und wir sind todmüde. Ich winke Taxis heran, aber niemand will uns zum Hotel bringen. Ein Tuktuk-Fahrer hat Mitleid, als er die Kinder sieht, verlangt aber auch die stolze Summe von 100 Baht für die vermeintlich kurze Fahrt. Ich handele ihn auf 50 Baht runter. Es stellt sich jedoch heraus, dass wir uns ziemlich weit vom Hotel entfernt hatten und das Verkehrschaos in der Rush-hour unvorstellbar war. Das Tuktuk fährt zwischen den Autoschlangen auf einer mehrspurigen Strasse entgegen der Fahrtrichtung, quert sechsspurige Stadtautobahnen und fährt durch dunkle Gässchen, in denen wir fürchten, dass uns der Fahrer einfach rausschmeisst. Aber von da an fühlten wir uns sicher in dieser Stadt, denn der Fahrer liefert uns nach endloser Fahrt wohlbehalten am Hotel ab. Ich gebe dem Fahrer die 100 Baht, er hat sie sich verdient, so eine Fahrt haben wir noch nie erlebt. Der Fahrer bedankt sich überschwenglich und wir nehmen noch ein kühles Bad im Swimmingpool.






Am 5. Dezember geht es mit dem Tuktuk zum Pasteur Institut, einer Schlangenfarm mitten in Bangkok, in der Schlangenserum hergestellt wird. Erst besichtigen wir die „Gehege“ – grössere Gruben mit kleinen Bäumchen drin, in denen hunderte Kobras herumkriechen oder auf den Bäumchen liegen. Es gibt nur mittelhohe Betonmäuerchen rundherum, aber keinen Zaun oder ein sicheres Geländer, damit man nicht hineinfallen kann. Wir lassen unsere Kinder nicht aus dem Auge. In Terrarien sind verschiedene Pitvipern und andere Schlangen Thailands zu bewundern. Julian stürzt vor lauter Eifer eine Steintreppe runter und haut sich die Stirn auf – er braucht erstmal ein Erholungsschläfchen. Um 14 Uhr gibt es eine Vorstellung, bei der einige der Giftschlangen Thailands vorgestellt werden. Man sitzt auf einer kleinen Tribüne und die Giftschlangen krabbeln keine 3 m vor der Tribune auf dem Betonboden herum. Gezeigt werden verschiedene Kobras, die gelbgebänderte Krait, eine Giftnatter, und die gefährlichste Schlange Thailands, eine Russell’s Viper, die vielen GIs in Vietnam zum Verhängnis wurde. Eine ungiftige Strahlennatter beisst sogar den Angestellten des Instituts während der Präsentation. Diese Natter katapultiert sich hoch und beisst sofort zu. Zum Abschluss eine mehr als 4 m lange Königskobra, vor der die Angestellten mächtig Respekt haben, da sie sich sehr schnell fortbewegt. Ihr will man wirklich nicht begegnen. Unsere Kinder finden das nach kurzer Zeit langweilig und suchen sich ihren eigenen Spielplatz.





Wir heuern wieder ein Tuk-Tuk an, das uns ins jüdische Viertel bringen soll. Auf den Strassen ist der Teufel los, der König hat Geburtstag und alle Leute sind auf den Strassen unterwegs. Wir landen an einem Platz, an dem eine grosse Feier zu Ehren des thailändischen Königs Bhumibol stattfand. Auf einer Bühne werden Tänze aufgeführt, eine Musikgruppe spielt. Wir irren herum und lassen uns von der Masse weiterschieben, bis wir an der Khaosan Road ankommen. Innerhalb einer Kreuzung ist alles anders. Lauter Deutsche, Engländer, Australier, Hippies, Flippies und Flower power. Ein Guesthouse nach dem Anderen, lauter Touristenläden, alles furchtbar. Wir gehen 200 m die Strasse runter, kehren dann schleunigst um. In einem kleinen Imbiss essen wir zwielichtiges Essen, wenn wir das unbeschadet überleben, kann uns nichts mehr umwerfen. In Bangkok bewegt man sich besser auf dem Schiff entlang des Flusses fort. Es verkehren ständig Express-Boats, die nur mit dem Heck anlegen, die Fahrgäste springen bei laufendem Motor raus, Andere steigen zu und weiter geht die Fahrt – ganz ohne Stau. Wir besuchen einen Tiermarkt, auf dem z.B. Küken in grellbunten Neonfarben und in durchsichtiges Acrylharz eingegossene schwarze Skorpione verkauft werden. Nebenan gibt es schöne Kinderhemden, von denen wir auch welche erwerben. Wir unternehmen noch eine Bootsfahrt durch die Klongs, das sind Kanäle durch Bangkok, die als Transportwege mit dem Boot, aber auch als Toiletten benutzt werden. Danach nehmen wir das Express-Boat bis zum Hotel Oriental, das in einer feinen aber teuren Gegend liegt. Zu Fuss weiter bisins Hotel, kurzes Bad im Pool und danach in die heisse Badewanne. Dann gehen die Kinder schlafen und wir machen Lagebesprechung und bereiten das Gepäck für die morgige Abreise vor.







6. Dezember – Nikolaus. Um 8:30 Uhr sitzen wir beim Frühstück. Wir deponieren unser Gepäck im Hotel und machen uns zu Fuss auf den Weg. Unterwegs spricht uns ein Mann an. Irgendwann empfiehlt er uns zum Siam Square zu fahren , um Schmuck einzukaufen. Weil der König Geburtstag hatte, gäbe es heute 30 % Rabatt. Er besorgt uns gleich ein Tuk-Tuk für 30 Baht. So werden wir „Opfer“ einer Verkaufsfahrt. Die Fahrer bekommen Provision, wenn sie Touristen zu Shops bringen. Wir landen in einem grossen Schmuckgeschäft und kaufen, in der Annahme, dass der Preis korrekt ist, für 900 DM eine goldene Kette mit einem Saphir-Anhänger und passende Ohrstecker. (Der Juwelier in Deutschland bestätigte später, dass wir nicht übers Ohr gehauen worden waren.) Wir laufen noch eine Weile ziellos durch die Strassen und schlendern durch riesige Kaufhäuser, in denen Jeans für 20 DM angeboten werden. In einem dunklen Esstunnel bekommen wir zum ersten Mal sehr scharf gewürztes Essen. Gegen 16 Uhr sind wir wieder am Hotel und werdenmit einem Superluxus-Taxi samt Gepäck zum Bahnhof gebracht. Dort warten wir noch 2,5 Stunden, bis der Zug pünktlich um 19 Uhr losfährt.






Ich kaufe mir noch eine kleine Flasche Mekong-Whiskey, in der weisen Voraussicht, in diesem Zug nicht einfach schlafen zu können. In der Tat sind die Liegeplätze ausklappbare Betten unter den Zugdach. Der Zug ist gut besetzt, es herrscht schwüle Hitze und man kann nur kleine Vorhänge vorziehen. Leider ist es bereits dunkel und wir sehen nichts von der Landschaft. Die Kinder schlafen erst um 22 Uhr ein und Julian wachte bei jedem Halt auf, und es sind viele auf der 643 km langen Strecke, und so ist die Fahrt alles andere als gemütlich und erholsam.