17. Januar 2018 – Erster Tag in Delhi
Am 16. Januar 2018 ging es los in Richtung Indien. Von Basel (Abflug 7.40 Uhr) geht es mit Air France über Paris nach Delhi (Ankunft 21.30 Uhr). Wir bleiben 3 Nächte in Delhi und fahren anschliessend nach Rajasthan. Gut, dass Achim den wecker gestellt hat….ich hätte wahrscheinlich bis mittags geschlafen, wir waren ganz schön fertig nach dem Flug. In Paris haben sie uns von einem gate zum anderen geschickt und als wir endlich ankamen, erfuhren wir, dass der flug um ne halbe stunde verspätet starten wird. Aus der halben wurden schließlich eineinhalb, aber dann sassen wir drin, sitze mit beinfreiheit, das hat sich mal wieder gelohnt. Mit rückenwind haben wir noch ein wenig zeit aufgeholt, sodass wir kurz vor mitternacht von unserem fahrer in empfang genommen werden konnten. Während der fahrt zum hotel bekamen wir sämtliche unterlagen (Voucher für alle Hotels, Führer, Zugticket, Flugtickets) fein säuberlich in einer mappe überreicht und nach einer halben stunde fahrt erreichten wir das Picadilly Hotel. Ein riesiger Bau mit einer Eingangshalle, in die noch eine Hotel eingebaut werden könnte. Kein wirklich schönes Gebäude, ringsum Beton-Hochhäuser, die als Büros genutzt werden. Teilweise in bestaunendswertem Zustand. Idylle ist anders. Alles verstauen und nix wie ins bett.
Ein Stück der Aussenwand ist im 6. Stock herausgebrochen. Wir wissen nicht, ob dieser Raum bewohnt ist.
Den ersten Urlaubstag mit Weckergeklingel beginnen macht nicht sooooo Spaß 🙁, aber nach einer Dusche erwachen die lebensgeister und wir machen uns auf den Weg um zu frühstücken. Achim ist sofort auf Indien eingestellt und holt sich das hier
ich fang erstmal langsam an mit Omelette und Masalatee, auch lecker. Die zeit bis uns unser Fahrer Sadham um 14 uhr abholt, überbrücken wir mit lesen, noch bissle dösen (ich) und das hotel erkunden (Achim). Pünktlich zur verabredeten zeit steht sadham am eingang und fährt uns zu unserer ersten (und wahrscheinlich letzten) Rikscha-Tour. Die Fahrt dahin macht uns klar, dass wir weit ausserhalb untergebracht sind. Es sind mindestens 1 Stunde Autofahrt bis in Zentrum, Alt-Delhi. Die Rikschatour ist dann wirklich eine mehr oder weniger Tourifahrt mit einer motorisierten Rikscha, einmal die Chandni Chowk Road auf und ab, im absoluten chaos mit ständigem gehupe und gedränge. Es ist schon auch witzig, aber normalerweise bewegen wir uns zu Fuß da durch und können so auch in die kleinen Gassen kucken, aber mit aussteigen is nix. Sadham verspricht uns, dass wir das morgen machen können, mit einem anderen guide. Aber wir haben schon mal den, für uns, interessantesten Teil sehen dürfen.
Sadham, unser Fahrer, ist Sikh und daher fügt es sich gut, dass nicht weit entfernt der größte Sikhtempel Delhi’s steht, der zum Gebet einlädt. Sadham nutzt diese Chance und wir werden Zeuge einer Pujah (Gebet) im Gurudwara Bangla Sahib (Gurudwara = „Tor zum Guru“). Wir müssen, wie alle die keinen Turban tragen, die Haare bedecken und unsere Schuhe abgeben, damit wir den Tempel betreten dürfen.
Anschliessend besuchen wir noch das Sikh-Museeum unter dem Tempel und werden Zeuge des Besuchs des Premierministers von Australien, der kurz nach uns eintrifft mit seinem Gefolge. Der Museumsangestellte, der uns einen schönen Vortrag über die Grundzüge der Sikh-Religion gab, läßt uns natürlich sofort stehen, als er den hohen Besuch erkennt. Die Sikh-Religion ist eine im 15. Jahrhundert n. Chr. entstandene Religion, die auf den Gründer Guru Nanak Dev zurückgeht. Die in Nordindien gegründete Religionsgemeinschaft hat heute rund 25 bis 27 Millionen Anhänger, wovon die Mehrzahl in Indien lebt. Die Sikh-Religion betont die Einheit der Schöpfung und verehrt einen gestaltlosen Schöpfergott, der weder Mann noch Frau ist. Die Sikh-Religion orientiert sich nicht an der Einhaltung religiöser Dogmen, sondern hat das Ziel, religiöse Weisheit für den Alltag nutzbar und praktisch zu machen.
Neben dem Tempel gibt es einen grossen Raum, in dem dreimal am Tag ein warmes Essen (meist Linsensuppe mit Chabati-Brot) für alle Interessierten, ob arm oder reich, kostenlos ausgegeben wird. In dem Raum finden mehr als 2000 Personen auf dem Boden sitzend Platz, es werden bis zu 20 000 Essen verteilt. Wir konnten die Küche hinter dem Gebäude besichtigen – wirklich eindrücklich, wie hier in riesigen Töpfen und Wok’s gekocht wird. In der Mitte sitzen mehrere Personen und formen Teig zu kleinen Bollen. Diese Bollen werden in einem automatischen Ofen zu Brot gebacken. Alle Beteiligten arbeiten ehrenamtlich, das Geld für das Essen kommt aus Spenden.
Wie so oft sind alte Tempel und die indische Realität nie weit voneinander entfernt.
Danach gehts wieder ins auto (klimaanlage bibber kalt…mir—- Achim schwitzt….so unterschiedlich sind wir😳) Überhaupt muss ich mich erst an die Temperaturen gewöhnen, denn immer, wenn wir sonst auf reisen waren, war es sommer und sauheiss. Jetzt haben wir Januar und tagsüber ist es angenehm warm, aber nicht zu warm (mir), aber morgens und abends wird es doch schon kalt. In den hotels ist es mir eh immer zu kalt und ich hätte wirklich gut meinen weihnachtsschal mitnehmen können, der wäre hier nicht fehl am platze gewesen. So muss ich mich halt mit vlies und Schal begnügen, abends einen heißen Tee trinken UND NATÜÜÜRLICH meine heissgeliebte wärmflasche😎🤣 füllen. Also alles gut!!
Auf dem Weg zum Hotel kaufen wir noch neue indische SIM-Karten, damit wir preiswerten Internet-Zugang haben. Die Roaming-Gebühren wären enorm hoch. Auch diese vermeintlich schnelle Aktion entwickelt sich zu einem eine Stunde dauernden Vorgang, da die Aktivierung der SIM ewig dauert. Bei der Weiterfahrt kommen wir daher in die Rushhour und das bedeutet endloses im Stau stehen. Wir brauchen mehr als 2 Stunden für den Rückweg, bewegen uns mehr oder weniger im Schritttempo. Delhi hat 22 Millionen Einwohner und scheinbar jeder fährt mit dem Auto gerade irgendwo hin. Ständig hupt irgendwo jemand scheinbar völlig sinnlos oder um zu zeigen, dass er auch eine Hupe hat. Good horn, good brake, good luck ist der Spruch der Fahrer, wenn man sie fragt, was im Verkehr in Indien wichtig ist. Fahren ist jetzt Millimeterarbeit. Gut, dass wir einen Fahrer haben, der das nagelneue Auto ohne Schrammen durch den Verkehr bringt. Wir hätten Blut und Wasser geschwitzt, wenn wir selber gefahren wären.
Um kurz vor 21 Uhr sind wir wieder im Hotel, essen im Restaurant für nicht wenig Geld vom indischen Buffet und genehmigen uns ein Bier. Das Essen ist sehr gut. Wir testen praktische alle Töpfe und Zutaten. Danach fallen wir ins Bett und schlafen erledigt ein.