2006MadagaskarMadagaskar 2006

Toamasina

Heute müssen wir unser nächstes Ziel, Toamasina, erreichen. Die Stadt, der einzige bedeutende Überseehafen Madagaskar’s, ist noch 114 km entfernt. Eine leichte Sache könnte man meinen, aber nicht auf Madagaskar. Es hatte die ganze Nacht geregnet und Achim war mächtig in Sorge wegen des Stücks zurück nach Brickaville. War die Lateritstrasse ohne Regen schon schwierig zu befahren, wie würde es dann wohl nach oder bei Regen sein. Das Problem sind die mit Wasser gefüllten Pfützen. Da man weder weiss wie tief sie sind, noch ob vielleicht ein Stein in der Pfütze liegt, kann man nur am Rand mit dem Motorrad entlangfahren. Dort ist es aber meistens glitschig und man ist Adrenalin-geschwängert. Der kleinste Fehler und man liegt am Boden. Rettungswagen oder Helikopter, die einen ins wo auch immer stehende Krankenhaus bringen könnte, gibt es nicht. Also höchste Vorsicht walten lasse, bloss keinen Sturz riskieren.

Der Zug war keine Alternative. Herr Ghandi war während des Frühstücks am Bahnhof und kam mit schlechten Nachrichten zuück.  Es war fast unmöglich das schwere Motorrad zu verladen und der Zug würde erst spät am Tag fahren. Wenn wir warten und das Motorrad nicht verladen werden konnte, würden wir unmöglich bei Tag Toamasina erreichen und nachts fahren wäre nahezu Selbstmord angesichts der tiefen Schlaglöcher und der anderen nicht vorhersehbaren Verkehrshindernisse (Tiere, Menschen, Karren auf der unbeleuchteten Strasse). Achim überlegte kurz auf dem Bahndamm über den Kanal zu fahren, aber erst einmal auf dem Damm gab es keine vorhersagbare Möglichkeit wieder runterzukommen und kein Umdrehen. Also blieb nur der schon bekannte Weg zurück über die Fähre.

Er sieht nicht so aus, als ob es gleich aufhören wollte zu regnen. Das Meer graublau und aufgewühlt, der Himmel dunkelgrau, der Regen alles andere als feiner Niesel. Von mir aus könnten wir auch mal einen Tag ohne Abenteuer haben, aber es sieht nicht danach aus. Also packen wir. Herr Gandhi wünscht uns Glück und bietet uns an, falls wir zurückkommen müssten, könnten wir jederzeit beim ihm unterkommen. Das wollen wir aber nicht ! Jetzt kommen zum das ersten Mal unsere Regenhosen zum Einsatz. Achim spreche ich am besten nicht mehr an, er ist schon fast am Ende und ich auch. Der Sand, der uns gestern noch das Leben schwer gemacht hat, ist total nass und, bis auf zwei Stellen, befahrbar. Wer hätte das gedacht. Bis wir an der Anlegestelle der Fähre ankommen, sind wir pitschnass. Es schüttet mächtig. Aber irgendwie haben wir es bis hierher geschafft. Es ist kein Floss da, nur ein einsamer Mensch wartet in einer Hütte. Doch interessanterweise erscheint nach ein paar Minuten ein schiffbarer Untersatz mit 4 Männern in gelbem Ölzeug aus dem Nebel und legt neben uns an.

Ich wag gar nicht hinzusehen, wie Achim über die Blanken hochfährt, aber er kommt gut an. Er kommt sogar wieder runter auf der anderen Seite, was noch viel krimineller aussah. Und dann hab ich Auf- und Absteigen geübt. Ich weiss nicht, wie oft ich rauf und runter bin während der 17 km Schlunzwassersandsteinpfützenbergundtalbahn. Aber: WIR HABEN ES GESCHAFFT – OHNE STURZ !!! Ich muss gestehen, mir standen mehr als einmal die Tränen in den Augen. Es wollte einfach kein Ende nehmen. Wir waren beide innen mehr nass als aussen, vom Schwitzen. Der Regen war eigentlich nebensächlich. Wir schworen uns, in der Zukunft Lateritstrassen zu meiden.

An der Kreuzung in Brickaville angekommen, wurde erst mal getankt. Man hat schliesslich gelernt. Die  schlappen 86 km nach Toamasina waren nur noch langweiliger Highway für uns. Straight nach Toamasina, vorbei an Palmölplantagen, nur unterbrochen vom Ausziehen der Regenklamotten.

Toamasina darf man sich nicht als Grossstadt vorstellen. Es gab zwar breite Strassen, aber überall riesige Schlaglöcher und das Wasser stand knietief am Strassenrand. Man hatte wohl vergessen eine Kanalisation anzulegen, als die Strassen gebaut wurden. 

Direkt zum vorgebuchten Hotel Génération. Wir sehen aus wie die Schweine und dieses Hotel ist das Nobelste, das wir bisher in Madagaskar gesehen hatten. Nach Duschen, Schuhe putzen und Klamotten wechseln, machten wir uns auf, um was trink- und essbares aufzutreiben. Wir müssen auch einen Herrn Odilon bei Maersk kontaktieren, da uns dieser Herr helfen soll, unser Motorrad sicher abzustellen, während wir auf Nosy Boraha (Ile de Sainte Marie) sind. Wir wollten von Toamasina auf diese Insel fliegen, um dort zu tauchen.

Wir landeten am Hafen, wo es zwar Espresso aber nichts zu Essen gab. Die Stimmung kippte, das Wetter auch und so machten wir uns zurück zum Hotel. Es war erst 16 Uhr und da gab es nichts zu essen, und Karin hängt der Magen in den Kniekehlen. Die Rettung kommt in Gestalt eines Bananen schleppenden Mädchens. Für 1000 Ariary kauft Karin 20 Bananen und vernascht gleich 5 Stück im Stehen. Da spricht uns ein Mann an. Er ist Deutscher, kennt Manfred und diesen Thomas Odilon und heisst Siegfried Schmidt. Er macht Fernsehen und soll dem derzeitigen Präsidenten helfen die Wahlen wieder zu gewinnen. Dazu soll er ein Fernsehnetz aufbauen, das die Reden des Präsidenten überträgt, damit dieser überall gehört werden kann und seinen Bekannheitsgrad steigert. Er gibt uns ein paar Esstipps.

Wow, wir waren mutig. Im Restaurant war gähnende Leere und so gingen wir in der Nacht die Strasse runter in das Restaurant AMAD ALY Restaurant du Stade L’Univers, das Herr Schmidt empfohlen hatte. Wir hatten von Überfällen auf Europäer gehört und daher waren wir schon ziemlich verunsichert, ob wir das wirklich machen sollten. Aber unser Bärenhunger siegte. Wir bestellten erst eine Suppe. Womit wir nicht gerechnet hatten – die Suppe kommt in einer grossen Schüssel gefüllt mit Nudeln, Fleisch, Gemüse und schmeckte superlecker. Achim hatte irgendwelche Schweinsfüsse darin schwimmen, aber seine Suppe schmeckt ebenfalls gut. Anschliessend kommt eine Ravitoto – ein madagassisches Nationalgericht – gewöhnungsbedürftig oder sagen wir mal Geschmacksache. Schmeckt wie  Henna und sieht auch so aus. Grüne Pampe mit hartem Rindfleisch drin.  Das hübsche Kätzchen Marke „Tiger Langhaar “ dankt es mir mit treuen Blicken. Schon bald gesellt sich eine zweite Katze dazu. Die Kneipe ist ziemlich skurill. Eine 5 Mann und eine Frau Liveband macht Musik, draussen haben sie einen Beamer aufgebaut und übertragen eine Miss Universum Wahl und zusätzlich läuft noch der Fernseher. Unsere Bedienung ist ein junges, total sympathisches Mädchen, das sich über uns Vasaha’s beäumelte. Zum Nachtisch gab es die obligatorischen flambierten Bananen und einen Rum. Draussen schifft es schon wieder heftig, also ist Pfützenspringen angesagt. Wir kommen wohlbehalten, wenngleich mit nassen Füssen, am Hotel an.

 

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