12. September 2022 – Ostuni
Wir räumten den Platz auf dem Camping in Rosa Marina schon um kurz nach 9 Uhr. Eine Entzündung an meinem Hintern erforderte die Konsultation eines Arztes. Das Problem ist die Sprache, denn in Italien sind englisch- oder gar deutschsprechende Mitarbeiter schwer zu finden. Selbst der medizinische Notfalldienst meiner Krankenversicherung konnte keine Informationen liefern. Wir fuhren daher in das Krankenhaus von Ostuni, das nur 9 km vom Camping entfernt war. Wir fanden sofort einen Parkplatz direkt neben dem Krankenhaus und gingen in die Notfallambulanz. Tatsächlich sprach ein Arzt der Ambulanz etwas englisch und die Krankenschwester konnte ebenfalls ein paar Worte englisch. Nachdem ein Covid19-Test gemacht worden war, brachte mich eine Krankenschwester in einen Untersuchungsraum. Dort lag ich eine halbe Stunde dann kam der Arzt und untersuchte kurz, sagte „wait“ und verschwand. Nach weiteren 20 Minuten kam die Krankenschwester, um etwas aus dem Raum zu holen. Ich fragte sie, wie lange es dauern würde. Sie sagte, dass das niemand wüßte, sie hätten nach einem Chirurgen gerufen. Wann dieser kommen würde, könnten sie nicht sagen. Ich schlug vor, draussen zu warten, denn mit Maske in dem warmen Raum rumzusitzen, machte gar keine Spaß. Das wurde auch gerne akzeptiert. Nach etwa einer weiteren Stunde wurde ich wieder gerufen und eine Chirurgin nahm sich meiner an. Sie sprach recht gut englisch und etwas deutsch. Nach einer kurzen Untersuchung informierte sie mich, dass ein OP nicht erforderlich wäre. Sie verschrieb ein Antibiotikum und meinte, ich sollte das probieren. Wenn es hilft, wäre alles erledigt. Allerdings erzählte sie mir, dass ich das Medikament erst ab 20 Uhr abholen könnte. Ich konnte das kaum glauben, aber als der Arztbrief ausgehändigt wurde, fragte ich nochmals nach und tatsächlich, am Krankenhaus gab es das Medikament erst abends. Aber ich fand heraus, dass ich es in jeder Apotheke sofort bekommen könnte. Also gingen wir zur nächsten Apotheke und die Apothekerin sprach sehr gut englisch, erklärte alles und ich bekam sogar 2 Packungen Antibiotika. Das rettete unseren weiteren Urlaub in Italien, und wir gingen erleichtert in die Altstadt, suchten ein Restaurant und aßen zu Mittag. Das gewählte Restaurant „Drogheria Pugliese“ war offensichtlich hip, denn alle Anderen rundherum, hatten kaum oder gar keine Kunden. Beim Mittagessen kam ein Schwarzer an unseren Tisch, der uns Armbänder andrehen wollte. Wir sprachen höflich mit ihm, aber bereits das war ein Fehler. Als wir nichts kaufen wollten, wollte er Geld von uns und als wir nichts gaben, beschimpfte er uns. Er versuchte es tatsächlich noch 2 Mal, aber wir blieben fest. Die Stadt war ein Highlight, weiss getünchte Häuser überall, kleine Gässchen und natürlich die unausweichlichen Shops. Von vielen Stellen aus sah man das Meer im Hintergrund und es blies ein angenehmes Lüftchen, das die Besichtigung trotz der hohen Temperaturen erträglich machte.
















Nachmittags fuhren wir weiter Richtung Lecce, das 30 km entfernt war. Weitere 30 km ging es anfangs durch Olivenbaumhaine, in denen alle Bäume abgestorben waren. Diese Baumfriedhöfe von Jahrhunderte alten Olivenbäumen sahen wirklich schlimm aus. Ursache des Baumsterbens ist das Bakterium Xylella fastidiose, übertragen von einer Zwergzikade. Die Krankheit wütet seit 2013, erst im Süden Apuliens und verbreitet sich immer weiter in den Norden. Dann waren wir wieder am Meer und suchten uns einen Stellplatz auf dem „Area Camper I Faraglioni“ in der Nähe des Torre Sant’Andrea. Die Fahrt zum Meer ging entlang der Küste, die sehr zerklüftet war mit vielen Steilwänden und kleinen Sandstränden zwischen den Klippen. Es blies ein starker Wind und das Meer hatte schäumende Wellen.




Abends gingen wir im Restaurant nebenan essen. Im Restaurant Babilonia war eine riesige Theke und aus sorgfältig ausgerichteten Lautsprechern lief tolle Musik (Sting, Phil Collins, …). Schöne Atmosphäre und leckeres Essen gefielen uns sehr. Das Restaurant hatte keine Glasfenster, sondern überall waren Öffnungen, die durch Stoffrolläden verschlossen werden konnten. Nach einiger Zeit wurde das mit einem Akkuschrauber, an dem die Vorhangstange zum Herunterdrehen eingespannt war, auch gemacht. Man musste schliesslich mehr als 10 Rollläden herunterlassen und da ist die Lösung mit dem Akkuschrauber schon innovativ.
