18. September 2022 – Matera
Trotz der Warnung des Masseria-Besitzers Paolo nahmen wir unsere Fahrräder und fuhren nach Matera. Es ging etwa 2 km auf der Landstrasse SS7. Die Autofahrer hielten zwar nicht immer grossen Abstand, aber es war problemlos zu fahren, da es oft doch einen breiteren Radstreifen gab. Von einem Kreisel hinauf nach Matera gab es sogar einen separaten Radweg, der recht steil anstieg, mit einem Ebike jedoch gut zu bewältigen war. An der Strecke lag ein riesiger Steinbruch an dem Tuffsteine abgebaut wurden – senkrechte Wände mit Rillen, die die Sägen hinterlassen hatten.


In Matera fanden wir sofort den Weg zu den Sassi, man musste nur schauen wo der Shuttlebus verkehrt. So konnten wir die zu Fuss anstrengende Tour durch die Sassi weitgehend auf dem Rad machen. Aus der Stadt hatte man nochmals einen schönen Blick auf den Wanderweg durch die Schlucht und auf die gegenüber liegende Seite der Schlucht, in deren Wände auch Felsenhöhlen waren. Der eine Teil der Sassi war abgesperrt, dort wurde gerade renoviert. Was die Renovierung verursacht sieht man auf dem vorletzten Bild der nächsten Bilderserie. Der ursprünglich Fels wird glatt und bekommt die Farbe frisch gebrochenen Tuffsteins. Und anschliessend sind die Sassi, deretwegen die Touristen kommen, nur noch solche Appartments wie auf dem letzten Bild.










Wenn wir etwas besichtigen wollten, stellten wir die Räder einfach daneben ab und gingen zu Fuss die Treppen hoch. Da in den Sassi viele Felsenwohnungen zu Hotels umgewandelt wurden, fuhren auch ständig Autos durch die Gassen, die die Touristen zu ihren Zimmer brachten. Airbnb-Wohnungen sind hier wohl auch attraktiv. Die „Hauptstrasse“ führte direkt in die Oberstadt und damit zurück auf den Heimweg. Aus der Nähe betrachtet sehen die Sassi leider nicht mehr sehr ursprünglich aus. Überall wir renoviert und in einigen Jahren werden die Sassi aussehen, als ob sie gerade gebaut worden wären. Wir besuchten die grosse Zisterne der Stadt, eine möblierte und ein unmöblierte Felsenwohnung, eine Grottenkirche mit Fresken aus dem 9. Jh n. Ch. Meist wurde 3 € Eintritt verlangt und es gab teilweise Zugangsbeschränkungen bzgl der Anzahl der Besucher.










Gleich neben den oben abgebildeten Appartments führte eine Treppe hoch und man konnte in eine ursprüngliche Felsenwohnung hineinschauen, reingehen traute ich mich nicht. Später kam jedoch eine Führung vorbei und der Guide nahm die Gruppe in die Wohnung hinein. Auch in dieser Wohnung war bereits eine neue Mauer eingezogen. Das erste Bild zeigt die ursprünglichen Sassi, die gerade renoviert werden. Leider wird der ursprünglich Charme dieses Gebiets zugunsten von Touristenströmen verloren gehen. Vielleicht ist die Renovierung aber auch notwendig, um die dem Wetter ausgesetzten Felsen vor der Zerstörung zu retten.




Wir besichtigten noch eine – eigentlich zwei – aussergewöhnliche Kirchen, die in den Felsen hineingebaut wurden – Santa Maria de Idris und San Giovanni in Monterrone. Von außen sieht man kleine Teile der Kirchen, aber innen befinden sich 2 grosse Räume, die aus dem Fels gemeiselt wurden (siehe vorletztes Bild). Leider durfte man in der Kirche nicht fotografieren, deshalb habe ich das Informationsblatt abfotografiert, damit man einen Eindruck von den sehr gut erhaltenen Fresken aus dem 11. – 13. Jh. n.Ch. bekommt.








Nach etwa 3 Stunden gelangten wir in die fast überfüllte Oberstadt, suchten uns ein kleines Strassenrestaurant in einer Seitengasse und aßen zu Mittag. Orecchiette con cime di rapa für mich und Cannelloni Ricotta Spinaci für Karin.




Danach fuhren wir noch etwas durch die Stadt, schauten den neuen hypermodernen Bahnhof und das Gerichtsgebäude an, die so gar nicht zu den Sassi passen. und gegen 16 Uhr fuhren wir zurück zur Masseria.


Danach ging es noch in die Zisterne der Stadt (Palombaro Lungo), die die ganze Wasserversorgung der Stadt regulierte. Zusätzlich wurde jeder Tropfen Wasser, der auf die Dächer fiel, über tönerne Wasserleitungen in hauseigenen Zisternen gesammelt. Sie wird heute nicht mehr genutzt, war daher nur mit wenig Wasser gefüllt.




Auf dem Rückweg entdeckten wir noch einen Steinbruch, in dem mehrere Kunstobjekte aufgestellt waren. Matera war 2019 Kulturhauptstadt und im Rahmen dieses Events wurden in den Steinbrüchen auch Konzerte ausgerichtet. Ein Kunstobjekt war ein VW Käfer, den man auf 2 Steinblöcke gesetzt hatte und dann lies man einen weiteren Felsen auf das Auto fallen – was das wohl bedeuten soll ?






Gegen Sonnenuntergang (18.58 Uhr) fuhren wir, dieses Mal besser auf die Kälte vorbereitet, nochmals zum Aussichtspunkt und beobachteten den Sonnenuntergang hinter Matera und wie die Strassenbeleuchtung langsam anging und Matera in ein bezauberndes Lichtermeer verwandelte.
