8. – 10. April 1976 – Aufenthalt in Tanger
8. April 1976 – Morgens regnete es, daher Frühstück im Bus. Dann gingen wir in die Bar und unterhielten uns mit einem Marokkaner und lernten einen Jungen (ca. 7 Jahre alt) kennen, der fliessend spanisch und deutsch sprach. Der Vater des Jungen fragte uns, ob wir Geld wechseln wollten. Er hätte noch DM, aber die Bank würde es nicht wechseln und ausführen dürfte er es auch nicht. Ein marokkanischer Dirham entsprach im April 1976 etwa 0,21 Euro.
Mittags fuhren wir dann nach Tanger rein. Wurden dauernd von Leuten angequatscht, ob wir Haschisch kaufen wollen, viele Blinde. Kinder rannten hinter uns her und fragten, ob wir Zeitungen kaufen wollen oder bettelten um eine Zigarette. Wir gingen zur Bank, wechselten 200 DM und anschließend noch zur Post. Ich kaufte Briefmarken, Hartmut wollte nach Stuttgart telefonieren, er wartete über 1 Stunde bis er eine Verbindung hatte. Manfred und ich sassen derweil gegenüber der Post in einem Straßencafe und tranken Kaffee und Pfefferminztee. Ich schrieb die Postkarten und als ich rüber ging zur Post, um sie einzuwerfen, redeten mich zwei in Jeans gekleidete Marokkaner an. Sie wollten nur deutsch sprechen, sagten sie und wir seien doch 3 Leute – wo die Anderen seien, fragten sie. Sein Bruder, der im Hilton arbeitet, wohnte in Düsseldorf und so weiter und so weiter. Ob wir schon die Stadt gesehen hätten, fragten Sie. Ablehnende Reaktion von mir, aber er versicherte, er wollte kein Geld dafür. Ich lehnte trotzdem ab. Wir wurden dauernd von ihnen beobachtet. Schließlich liessen wir uns von ihnen die Medina zeigen. Ungutes Gefühl, ich hielt krampfhaft meine Kamera fest, die ich in der Tasche das Parkas hatte. Drei Typen hinter uns, wir hielten kurz an und lassen Sie vorbei gehen. Der Marokkaner erklärte nichts, sondern führte uns nur schnell durch die engen Gassen der Medina, in der über 10.000 Menschen wohnten. An einem Laden forderte er uns auf die Sachen doch einmal anzuschauen und ruhig rein zu gehen. Er stellte sich später heraus, dass der Laden dessen Bruder gehörte. Für eine große Wasserpfeife wollte er 200 Dirham (42 €) haben, für eine kleine 170 Dirham. Kurz bevor wir gingen, zahlte ich nach zähem Handeln schließlich 25 Dirham (5,25 €) für die Pfeife. Ich wollte noch eine Dschellaba, er wollte 180 ich biete 60, nach einiger Zeit einigten wir uns auf einen Preis von 80 Dirham. Hartmut kaufte nach langem Handeln eine Decke (von 300 herab auf 95 Dirham). Wir tranken schmackhaften Pfefferminztee und unsere Angst hatte sich etwas gelegt, da wir nun endlich wussten, dass der Typ nur ein Schlepper war, der sich eine Provision verdienen wollte. Nachdem sich die Stimmung etwas gebessert hatte, gab uns unser Führer noch gute Ratschläge wie wir verhandelt sollten – immer lächeln und fröhlich sein. Manfred war recht reserviert. Wahrscheinlich hatten wir viel zu viel bezahlt. Der Schlepper brachte uns dann so schnell wie möglich zum Markt, wo wir etwas für das Abendessen einkauften. Als wir fragten, was er für die Führung möchte, sagte er nur, dass das bei uns läge. Wir gaben ihm zehn Dirham und gingen dann zum Auto. Es hatte wieder zu regnen begonnen. Dann passte der Zündschlüssel nicht mehr und während Manfred am Schloss herumschraubte, stand vor dem Fenster ein alter Mann und schaute ins Auto hinein. Uns war schon ziemlich komisch zumute. Endlich ging er. Im Lauf unserer Reise erfuhren wir, dass diese alten Männer offiziell lizenzierte Parkplatzwächter sind, die Strassenabschnitte bewachen. Wir fuhren zurück zum Campingplatz, aßen zu Abend und unterhielten uns noch eine Weile. Schlecht war, dass in dem Laden jeder deutsch sprach. So konnten wir nie ungestört miteinander reden.
9. April 1976 – Morgens beim Frühstück gesellte sich ein Marokkaner namens Sidi zu uns, der auch ein Zelt auf dem Campingplatz hatte. Als wir ihn fragten, welche Sehenswürdigkeiten es in Tanger zu besichtigen gäbe, erklärte er sich bereit uns nachmittags bei einer Stadtrundfahrt zu begleiten, um damit seine Sprachkenntnisse zu erweitern. Erst ging es jedoch zum Kamelreiten. Sidi, der Mann im roten Pullover, verhandelte den Preis und Hartmut und Manfred stiegen auf.




Dann fuhren wir mit ihm in das „Montagne“, dem Reichenviertel und Erholungszentrum der Stadt. Weiter zum Cap Spartel und in die Grottes d’Hercule. Er zeigte sich ungemein freundlich und erzählte viel über Land und Leute. Abends um 20:30 Uhr gingen wir mit ihm in die Medina ins Restaurant „1001 Nacht“. Dort so meinte er, könnten wir für 20 Dirham essen und nebenbei noch einheimische Tänze bewundern. Das Essen war nicht besonders. Eine sehr hübsche Tänzerin führte genau vor uns einen Bauchtanz vor und wir waren beeindruckt. Manfred vergaß sogar das Essen. Sidi fragte sie schliesslich, ob sie bereit wäre, mit uns zum Campingplatz zu fahren, sie verneinte. Nach dem Essen setzten wir uns zur Kapelle und schliesslich mussten wir sogar mittanzen. Ich kam mir dabei sehr blöd vor.










10. April 1976 – Als wir uns am nächsten Morgen verabschieden wollten, lotste uns Sidi zu seinem Zelt, das über und über mit Decken, Kleidung und anderen Stoffen gefüllt war und erklärte, dass wir in seiner Schuld stünden. Diskutieren war sinnlos. Ich kaufte ihm zwei Decken und zwei Halstücher für zusammen 150 Dirham ab. Hartmut kaufte ebenfalls eine Decke für 60 Dirham. Sidi machte das Geschäft seines Lebens. Er war halt auch nur ein geschickter Schlepper, der sein Handwerk verstand und der Camping war sein Revier. Eine Erfahrung reicher verliessen wir den Camping und fuhren weiter.


Über Asilah, Larache, Ksar-el-Kebir, Souk El Arbaa, Sidi Kacem, ging es nach Meknès (250 km). Unterwegs bei Sidi Kacem nahmen wir einen Tramper mit. Einen alten Mann, der auf einem Auge blind war und kein Wort verstand. Er zog beim Einsteigen sogar die Schuhe aus. Nach ein paar Kilometern stieg er bei einigen Lehmhütten aus und bedankte sich überschwänglich. Abends ging es dann auf den Camping in Meknès und wieder regnete es.




