Fahrt nach Pench

Es hat die ganze Nacht geregnet und immer gewittert. Trotzdem ganz gut geschlafen. Um kurz vor 9 Uhr sind wir fertig und treffen unseren neuen Fahrer. Er spricht praktisch kein Englisch. Dafür fährt er nach dem Motto “Mal sehen was noch geht”. Ich bin froh, dass wir mit diesem Fahrer nicht durch Rajasthan reisen mussten. Es regnet praktisch ununterbrochen. Erst nach 120 km (50 km vor Pench) hört der Regen auf. Die Scheiben beschlagen von innen, der Fahrer benutzt den Scheibenwischer nur wenn es unbedingt sein muss. Die Schlaglöcher wurden durch den Regen zu unberechenbaren Pfützen, unseren Fahrer kümmert selbst prasselnder Regen nicht. Von Aquaplaning hat er noch nie gehört. Er überholt trotz Gegenverkehr ständig. Pfefferminzöl-Schwaden wabern durch das ganze Auto. Karin hat nur einen Tropfen auf ihren Schal gemacht und mir brennen die Augen von dem Zeug, das sie in Jaipur gekauft hat.

Wir finden es recht kalt, aber ausserhalb unseres Autos fahren die Leute in strömendem Regen Moped und Fahrrad ohne irgendwelche Regenbekleidung, laufen barfuss oder in Sandalen auf der Strasse rum, treiben ihre Kühe auf die Felder, Kinder laufen zur Schule, fast niemand hat einen Regenschirm. Was sind wir doch für europäische Weicheier.

Wir fahren an einer Kohleabbau-Stätte vorbei, ein Bahnhof an einem kleinen Dorf macht uns staunen. Er hat einen Bahndamm für Tausende von Reisende – eine Fehlplanung oder wissen wir nur nicht, was hier entstehen soll. Eine Kuhherde blockiert unvermittelt die ganze Fahrbahn. Wir überqueren sogar eine Grenze, die zwischen den Bundesländern Madhya Pradesh und Maharashtra, es gibt wirklich noch einen bewachten Schlagbaum und LKWs müssen beim Grenzübertritt eine Gebühr bezahlen.

An einem Bahnübergang ist während des Wartens auf den Zug Zeit für ein paar Bilder. Das vorsintflutliche Bügeleisen, das der Strassenbügler verwendet, während er neben dem Bahnübergang von Pfützen umringt in seinem Shop ein weisses Hemd bügelt. Ein Friseurshop und der Bahnübergangsimbiss. Als mich die Leute sehen, freuen sie sich, dass sie für ein Bild posieren dürfen. Und ein Laden, der Satellitenschüsseln und irgendwelche Hörner verkauft, weiss wirklich nicht wozu die Dinger gut sein sollen.

Die Suche nach einem Geldautomaten, der funktioniert, erweist sich als mühsam – entweder hat er kein Geld oder sein Betriebssystem bittet mich, ihn am Netzwerk anzumelden – keine Ahnung wie und wo. Erst in einer grösseren Stadt namens Seoni finden wir einen ATM mit Geld.

Als wir nach 3.5 Stunden in Pench am Tuli Tiger Corridor Hotel ankommen, teilt uns der Fahrer mit, dass er uns nur hierher bringen sollte. Er fährt jetzt zurück nach Kanha, mal sehen wie wir übermorgen weiterkommen.

Unser neues Hotel hat einen Bungalow für uns, alles recht grosszügig. Badewanne, Aussendusche und Terrasse mit Feuerstelle zum Teich sind zwar schön anzuschauen, aber die Temperaturen müssten schon etwas höher sein, dass man das nutzen kann. Dafür erweist sich ein kleiner Heizlüfter als ganz nützlich. Abends wird es nämlich recht kalt und da kann man schon mal etwas “nachfeuern”. Unten sieht man erst den Lesebereich, in dem man auch WLAN-Zugang hat, dann unser Zimmer, die Terrasse, die Aussendusche und das Badezimmer. Alles englischer Stil, aber was solls. Die meisten Gegenstände in Indien, die man so zu Gesicht bekommt, wären in Europa (vielleicht außer England) museumsreif.

Heute haben wir den Nachmittag frei, liegen faul herum, schreiben Blog und lesen. Karin hat sich bei Amazon ein neues Buch runtergeladen. Das Wetter ist mal Regen, mal Sonne – Schnaken umschwirren uns. Klar bei dem offenen Gewässer vor der Haustür. Wir gehen ein Bier und Karin einen Whisky (nur damit nix in meinem Magen passiert…;-)) trinken, mit scharfen Erdnüssen. Als Karin nach nicht-scharfen Nüssen fragt, bekommt sie frisch geröstete Erdnüsse, schmaggofatz. Neben uns unterhalten sich 8 indische Jungs, die gerade von der Safari zurückkommen. Einer bestellt Pommes frites und Karin macht grosse Augen. Um 20 Uhr gibt es Abendessen, Karin bestellt sofort Pommes mit Ketchup und macht ein glückliches Gesicht (…ich hab das scharfe Essen jetzt langsam satt und die Verlockung war echt zu gross!!). Jetzt setzt wieder ein Gewitter ein und es regnet, als wird das Restaurant verlassen. Die Bedienung versorgt uns mit einem Regenschirm für den “langen” Weg zum Bungalow. Hoffentlich ist morgen einigermassen gutes Wetter während der Safaris.