7. Februar 2018 – Khajuraho
Schlechte Nacht, der Schupfen weitet sich aus, Husten kommt dazu. Wir beide schlafen nur wenig wegen meines ständigen Hustens. Unser deutsch-sprechender Guide holt uns um 9 Uhr ab. Obwohl es leicht zu regnen beginnt, entschliessen wir uns die Tempel zu besichtigen. War eine gute Entscheidung, denn als wir die Besichtigung beenden, regnet es tatsächlich etwas.
Khajuraho ist eine kleine Stadt mit ca 20 000 Einwohnern im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh. Der Tempelbezirk von Khajuraho umfasst eine Gruppe von etwa 20 Tempeln, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Die Tempel wurden von den Herrschern der Chandella-Dynastie, zu dieser Zeit die führende Macht in Nordindien, zwischen 950 und 1120 erbaut. Der Baustil ist sehr ungewöhnlich, wird als indoarischer Stil bezeichnet. Jeder der Tempel ist mit tollen Figuren und Ornamanten verziert. Nach dem Niedergang der Chandella gerieten die Tempel in Vergessenheit und Dschungel überwucherte die Anlage. Die Briten entdeckten die Überreste im 19. Jahrhundert und im 20. Jahrhundert wurde die Anlage restauriert. Bekannt wurden die Tempel auch durch ihre erotisch-sexuellen Darstellungen, für die es verschiedene Erklärungen gibt (bei Wikipedia nachlesen).
Der verschmitzt lächelnde Elefant rechts betrachtet eine solche Szene.
Zwischendurch kommen ein paar graue Nashornvögel vorbei und naschen an den Früchten des Baums.
In der Ferne auf einem Baum entdeckte unser Guide diese Hinduracke, die uns den Gefallen tat, mal kurz rumzufliegen, um ein Insekt zu fangen. Toller Vogel mit blauem Gefieder.
Zwei Stunden Besichtigung waren genug, dann fuhren wir weiter zu einem Jain-Tempel, dem einige Teile der alten Tempel einverleibt wurden. Die erotischen Skulpturen wurden herausgeschlagen und durch Jain-Symbole ersetzt. Der Jainismus hat wie der Buddhismus seine Wurzeln im Brahmanismus, der Vorgängerreligion des Hinduismus. Die Abspaltung aus dem Brahmanismus war etwa zur gleichen Zeit wie der Buddhismus (600 Jahre vor Christus). Unser Guide gab uns eine Einführung in den Jainismus, die völlige Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen fordert. Es gibt Jain-Mönche, die vollkommen nackt herumwandern, sogenannte „Luftgekleidete“. Jain-Nonnen sind in weisse Kleider gehüllt und wischen z.B. ständig den Weg vor sich, um ja nicht ein Insekt auf der Strasse zu töten. Wir sahen 4 Jain-Nonnen in Jaipur. Diese strengen Jains essen nur einmal am Tag, wegen des Ideals der Nichtverletzung von Lebewesen ernähren sich Jainas so, dass keine Tiere dafür leiden oder sterben müssen und Pflanzen nur im unvermeidlichen Maß geschädigt werden. Sie dürfen sich nirgends länger als einen Tag aufhalten (im Monsun gibt es eine Ausnahme). Dalai Lama hat das Fazit gezogen – „Der Jainismus ist purer als der Hinduismus und der Buddhismus, weil er die Gewaltlosigkeit mit größerer Konsequenz verfolgt.“ Das Abbild des Mahavira ähnelt Buddha sehr.
Wie immer führt uns unser letzter Weg zu einem Verkaufsshop. Dieses Mal dürfen wir zuschauen, wie diese Skulpturen aus Sandstein entstehen. Dann geht es durch den Shop, wir kaufen nichts, was ohne Murren oder schlechte Laune akzeptiert wird. Trotzdem jedes Mal eine unangenehme Situation.
Zurück im Hotel sehen wir die ankommenden Gäste für die morgen bevorstehende Hochzeitsfeier. Es kommen mehrere grosse Busse und Unmengen an Gepäck und der Lärmpegel im Hotel nimmt deutlich zu.
Einer der Guides sprach sogar von einem „Hochzeitsmonsun“, der zur Zeit stattfindet. Eigentlich dachte ich, dass wir vielleicht nachmittags ein Nickerchen machen könnten, aber ständiges Türen schlagen und auf und abrennen der Hochzeitsgäste verhindern das. Das kann ja heiter werden heute Nacht, schon wieder kein Schlaf möglich? Draussen im Garten beobachte ich ein junges Paar, das zuerst um den Pool flaniert und sich dann in gebührendem Abstand zueinander auf einer Gartenbank nieder lässt. Mein Verdacht wird später von einem Kellner bestätigt: es ist das Brautpaar. Während ich im Restaurant meinen Tee schlürfe, hänge ich ein wenig meinen Gedanken nach. Wenn es, wie in den meisten Fällen, eine arrangierte Hochzeit ist, haben die beiden das erste Mal die Möglichkeit, sich zu sehen und miteinander zu reden. Komische Vorstellung. Da sitzt die Braut dann einem wildfremden Mann gegenüber und einen Tag später ist sie verheiratet und wird ihr ganzes Leben mit ihm verbringen. Wie uns viele Führer und Fahrer schon erzählt haben, ist die Reihenfolge eben anders als bei uns. Sich kurz sehen, heiraten, dann sich richtig kennen lernen und dann kommt die Liebe…..ob das immer so klappt???
Indische Weisheit unseres Guides: Wenn ein Mann einer Frau die Autotür aufhält, ist entweder die Frau oder das Auto neu.