11. Oktober 2021 – Monte Brè und Monte Tamaro

Nachdem ich gelesen hatte, dass man auf den Hausberg von Lugano, den 925 m hohen Monte Brè, hochfahren konnte, ließ ich mir vom Navi die Strecke berechnen und fuhr morgens um 10 Uhr los. Die Strecke ging mit einigen Kehren recht steil den Berg hoch durch Wohngebiete und dann durch ein feudales Villenviertel mit fantastischem Ausblick. Die Strasse wurde immer enger, ein Verkehrsbus kam noch an einer Stelle entgegen, an der er am WoMo vorbeipasste. Dann wurde es so eng, dass ein PKW gerade noch vorbeikam und schließlich war Schluß – einer musste zurückfahren, bis zu einer geeigneten Stelle. Innerlich fluchte ich schon etwas, wenn ich an die Rückfahrt dachte. Aber es gab kein Zurück, ich mußte hoch, um umdrehen zu können.  Irgendwie kam ich doch an, wohl nur, weil ich früh losgefahren war und fand auch gleich einen Parkplatz am Dorf Brè. Wie immer hatte ich keine Ahnung, wie weit man von dort hochgehen muss. Ich nahm also die Strasse zu einem Restaurant, das mit dem besten Panoramablick der Schweiz warb – 1,2 km bis dahin stand auf einem Schild. Es ging leicht bergauf durch den Wald, ständig hörte man Esskastanien auf die Strasse fallen. An einem Aussichtspunkt entdeckte ich eine Treppe, die wohl zum Gipfel führen sollte. Also weiter auf der Treppe, was ein gewaltiger Fehler war, denn ich landete ziemlich fertig 50 Höhenmeter über dem Restaurant ohne jeden Ausblick. Also wieder hinuntergehen zum Restaurant und bekam sogar die Erlaubnis von der Terrasse aus Bilder zu machen.

Das Panorama entstand von dieser Terrasse und hat mich wirklich begeistert. So etwas sieht man selten. Als ich einen Kaffee trinken wollte, bot man mir aber nur Tische im Schatten an, die ich dankend ablehnte. Schade, aber wenn man alleine unterwegs ist, denken die Gastwirte manchmal schon ans Geschäft und wollen gute Tische ungern freigeben. Zurück gab es einen schönen Weg bis zu der Aussichtsplattform, dann nahm ich die Treppe für den Abstieg. Wieder ein Fehler, denn sie war so unangenehm zu gehen, dass mir nach kurzer Zeit die Hüfte und die Knie wehtaten – heute Abend ist wohl eine Schmerztablette angesagt.

Die Treppe ging gefühlt mehr als 300 Stufen abwärts. Unten angekommen, fragen mich 2 Frauen, wie man am besten zum Restaurant kommt – bloß nicht die Treppen nehmen, riet ich ihnen. Während des Abstiegs überlegte ich, wie ich am besten die engen Strassen meistere. Da fiel mir ein alter Trick ein, den wir schon mal in der Rheinschlucht angewendet hatten – einfach dem Bus hinterherfahren. Ich kam an und der Bus stand schon abfahrtsbereit da. Also schnell ins Auto, der Bus fährt los, ich direkt hinterher. Schon nach der ersten Kurve kein weiterkommen für den Bus. Er und ich fahren 10 m zurück und lassen die entgegenkommenden Autos passieren. Ab dann fuhren die Anderen zurück, mehrfach gab es dieses Problem und ich war froh, dass es mit dem Linienbus vor mir keine Diskussion gab, wer Vorfahrt hat. So kam ich total entspannt unten an – als ich kurz anhielt, um ein Foto zu machen, dachte der entgegenkommende Linienbusfahrer sogar, dass ich auf ihn gewartet hätte und grüßte dankend. Wer in dem obigen Panorama rechts oben genau hinschaut, sieht das schneebedeckte Monte Rosa Gebiet – mit meinem Tele natürlich etwas beeindruckender.

Weil ein Berg gleich kein Berg mußte ich noch zum Monte Tamaro fahren, denn von diesem Berg hatte ich am Vortag in einem Prospekt am Camping erfahren. Eine halbe Stunde später stand ich auf dem Parkplatz vor der Luftseilbahn in Rivera, zahlte 29 CHF (Hoch und runter) und reihte mich in die Warteschlange ein. Bei diesem Kaiserwetter war ich natürlich nicht alleine auf dem Berg, der Familienerlebnisse wie Sommerrodelbahn, Zipline, Spielplatz, Klettergarten, … verspricht. An der Alpe Foppa (1530 m), so heißt die Bergstation, war die Terrasse voll besetzt. Ich ging dann trotz Schmerzen den Berg hoch, den an vielen Stellen standen Statuen des Künstlers Riccardo Cordero herum.

An die Alpe Foppa angebaut, ist die Kirche Santa Maria degli Angeli entworfen vom Stararchitekten Mario Botta – ein Meisterwerk zeitgenössischer Architektur. Die Kirche ist eine mit Porphyr verkleidete Betonstruktur und präsentiert sich als Steg, der über den Berghang hinausragt. Am äussersten Ende bietet sich von einem kleinen Stahlpodest eine atemberaubende Aussicht. Von dort entstand dieses Panorama. Unter dem Podest hängt übrigens die Glocke der Kirche. Da Kirchen nicht unbedingt mein Interesse erwecken, hab ich leider versäumt das Innere anzuschauen, kann man aber auch im Internet gucken.

Im Restaurant der Alpe Foppa eine Kringelwurst (Luganighetta oder Salsiccia Ticinese) mit Pommes für 16,50 CHF gegessen und anschließend noch ein Noggereis – mußte angesichts der Temperaturen einfach sein. Gegen 16 Uhr fuhr ich mit der Gondelbahn wieder runter und weiter nach Cannobio am Lago Maggiore (40 km). Auf dem Camping International werde ich jetzt die Nacht verbringen. Der erste Platz, den man mir zeigte, war direkt neben der Strasse. Wer Italien kennt weiß, dass man dort nicht gut schläft. Erst als ich sagte, dann fahre ich weiter, bot man mir einen akzeptablen Platz an. Der Camping ist fest in deutscher Hand und mit vielen Luxus-WoMos voll gefüllt. Ich sehe gerade, dass die Sat-Antenne meines Luxus-Nachbarn blau pulsiert – stylisch aber notwendig ? Aber für die Nacht wird mich das nicht stören. Das Wasser hat noch ca 18 °C, vielleicht kann ich mich morgen noch überwinden und ein Bad im See nehmen.

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