21. Juli 2022 – Brüssel & Esch-sur-Alzette

Es hatte die ganze Nacht geregnet. Am Morgen immer noch Nieselregen. Das wird keine schöne Parade zum Nationalfeiertag. Wir warten auf einen Manager des Camps, der die Parkgebühr in Höhe von 10 € abholen soll. Irgendwann kommt ein Typ an und kassiert, kein Beleg. Ich wollte unbedingt noch das Atomium anschauen und so fuhren wir auf der Ringautobahn hin. Wow, es ist wirklich riesig. Wir sind überrascht. Und man sah Licht in den verschiedenen Kugeln, also musste man da hineinkommen. Die Parkuhr war eingeschlagen. Man konnte nur mit einer PayByPhone App bezahlen. Das gestaltete sich etwas schwierig, funktionierte dann aber doch. Irgendwie hatte ich wohl die Maximalzeit von 24 Stunden aktiviert, aber es stand geschrieben, dass man den Vorgang beenden kann, wenn man wegfährt. Also kauften wir Tickets (Senior 14 Euro), nach einigem Warten ging es mit dem Aufzug in die oberste Kugel. Von dort hätte man eine tolle Sicht über Brüssel, wäre da nicht der Nieselregen. Ed Sheeran wird morgen im benachbarten Stadion auftreten, Flutlicht beleuchtete den Aufbau, aber man sieht auch von ganz oben nicht hinein.

Das Atomium ist ein für die Expo 1958 errichtetes 102 m hohes Bauwerk. Es ist eine 165-milliardenfache Vergrößerung der kristallinen Elementarzelle des Eisens. Die Konstruktion ist etwa 2400 Tonnen schwer. Der Durchmesser der Kugeln beträgt 18 Meter, jener der sie verbindenden Rohre 3,3 Meter. Außer den drei Turm-Kugeln sind die drei unteren Eck-Kugeln öffentlich zugänglich und werden ebenfalls auf mehreren Etagen für Ausstellungen genutzt. Im Turm befindet sich ein Aufzug, der die Besucher in 23 Sekunden zum Restaurant in der obersten Kugel bringt. Durch die schrägen Verbindungsrohre führen Treppen (teilweise Rolltreppen) zu den anderen Kugeln (Wikipedia).

Wir fuhren mit dem Fahrstuhl wieder runter und dann begann die Entdeckungsreise des Atomiums. Mit einer Rolltreppe ging es hoch in eine der unteren Kugeln, hier gab es eine historische Ausstellung über den Bau des Objekts. Die nächste Rolltreppe, die Verbindungsröhren haben einen Durchmesser von 3,3 m, bot eine bunte Lightshow und führte in eine Kugel, in der eine Installation mit Lichtleisten eingebaut war. Zu Techno-Musik wurde eine beeindruckende Lightshow geboten. Nichts für Leute, die für epileptische Anfälle empfindlich sind, wie auf einem Schild zu lesen war. Eine Treppe höher intensivierte sich die Sache und man stand einfach nur da und bestaunte die Darbietung von Licht und Ton. Ohne spezielles Licht sahen die Röhren recht nüchtern aus, wie man auf dem vorletzten Bild sieht. Manche Verbindungen innerhalb, aber auch von Kugel zu Kugel waren über solche Metalltreppen, die ein stimmiges Geländer hatten.

In Brüssel versuchten wir noch die königlichen Gewächshäuser zu besichtigen, mussten aber, nachdem wir fast davor standen im Internet lesen, dass sie nur Ende April für 2 Wochen der Bevölkerung zugänglich sind. Die Wettervorhersage für Brüssel war schlecht, also fuhren wir weiter Richtung Luxembourg. Brüssel hat uns sehr gut gefallen und wir wären wahrscheinlich noch länger geblieben, wenn das Wetter mitgespielt hätte. Ed Sheeren muss halt auf uns verzichten, das Konzert war sowieso ausverkauft. Unterwegs auf der Autobahn lasen wir das Merian Heft über Luxembourg und drehten spontan ab nach Esch-sur-Alzette, einer Kulturhauptstadt 2022.

Zum ersten Mal in Luxembourg, wir waren gespannt. Wieder einmal hatten wir Glück und bekamen eine Stellplatz auf dem Camping Gaalgebierg. Allerdings unterhielten sich unser Nachbarn ziemlich lautstark und wir hatten schon böse Vorahnungen. Der Camping lag am höchsten Punkt von Esch und mir schwante übles angesichts der Tatsache, dass wir irgendwann mit dem Fahrrad diese Steigung wieder hoch müssen. Ich muss bemerken, dass, abgesehen von ein paar Hügeln in Brüssel, uns in Esch unser erster “Berg” seit den Elbsandsteingebirge begegnet war. Auf unseremWeg von Dresden nach Luxembourg waren Deiche und Dünen die höchsten Erhebungen.

Wir machten uns auf den Weg nach Belval, dem größten städtebauliche Entwicklungs- und Neubauvorhaben in ganz Europa. Bis 1997 hatten hier im Süden Luxemburgs Arbeiter Roheisen gekocht, die Stahlindustrie dieser Region hat Luxemburgs Reichtum begründet. Aber In den letzten zweieinhalb Jahrzehnten ist hier kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Unter Einbindung der verbliebenen Hochöfen und Gebäude des 1997 stillgelegten Stahlwerks entstand ein hochmodernes Viertel, in dem heute Wohnraum für fast 7.000 Menschen zu finden ist. Belval ist mit seinem Einkaufszentren, Restaurants, Kneipen, dem Kinokomplex und den vielen Freizeitmöglichkeiten längst mehr als nur ein Nebenzentrum von Esch. Denn als „Cité des Sciences“, als Stadt der Wissenschaft, beheimatet Belval den Campus der erst im Jahre 2003 gegründeten Universität von Luxemburg. Schon von weitem war der Bahnhof von Belval zu sehen, ein wahrhaft futuristisches Gebäude. Einige Impressionen zeigen die folgenden Bilder. Ach ja, wir hatten ja noch nichts gegessen und da kam uns ein indisch-himalayisches Restaurant gerade recht. Scharfes Madras- und mildes Chickencurry mit Reis und Naan schmeckten sehr gut.

Die Rückfahrt begann mit einer Überraschung. Unser App Koomot, die uns immer zuverlässig geleitet hatte, führte uns geradewegs in den Bahnhof. Und tatsächlich gab es dort einen Fahrradaufzug mit dem wir den Höhenunterschied einfach überwinden konnten. Unterwegs ging die Sonne unter und wieder kamen wir an einen Bahnhof mit Fahrradaufzug, der uns dieses Mal hoch zu einer Überführung der Bahngleise brachte. Puh, schon ein paar Meter Aufstieg gespart. Danach ging es jedoch ziemlich lange hoch durch einen Park, in dem Karin diese seltsame Figur sah. Ziemlich erledigt kam ich am Camping an. Kaum da, stellten wir fest, dass unsere Nachbarn nicht leiser geworden waren. Um ihrem lautstarken Gerede entkommen zu können, suchten wir nach einem anderen Stellplatz, aber es war nichts mehr frei. Unsere redseligen, raucherhustende und nervige Videoclips schauende Nachbarn hatten sich nach einem deftigen Anschiss ihrer Nachbarin netterweise sehr zurückgehalten und haben sich anständig zurückgezogen und so hatten wir eine wunderbar ruhige Nacht.

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