22. September 2026 – Böhmische Schweiz
Von Karlsbad fuhren wir erst an der Eger und später entlang der Elbe bis fast zur deutschen Grenze in Hrensko (Gesamtstrecke war 165 km, 2:30 Stunden). Unterwegs tankten wir noch, Diesel kostete in Tschechien 2,02 € (48,90 CHK). In Hrensko ging die Strasse rechts ab durch ein Tal, in dem einige Restaurants, Andenkenläden und jede Menge Parkplätze waren. Aber alle waren besetzt. Wir fuhren den Berg hoch und kamen zum „Kemp Mezni Louke“, etwas unebenes Gelände aber moderne Sanitäranlage. Wir fanden eine schönen Platz und bezahlten 37 € mit Strom für eine Übernachtung.


Wir vesperten und dann fuhren wir mit den Rädern los Richtung Pravčická brána (dt. Prebischtor). Das Prebischtor ist die größte natürliche Sandstein-Felsbrücke Europas – Spannweite 26,5 m, lichte Höhe 16 m. Es gehört zu den herausragensten Naturdenkmälern des Elbsandsteingebirges. Komoot wählte den Gabrielsteig als kürzesten Fahrradweg zum Prebischtor, aber nach ca 200 m informierten Schilder, dass dieser Weg gesperrt wäre. Im Jahr 2022 gab es in der böhmischen Schweiz einen riesigen Waldbrand – der Brandstifter wurde dieses Jahr gefasst und wartet auf seine Verurteilung. Damit sich das Gebiet erholen kann, wurde der Steig gesperrt. Wir kehrten um und nahmen eine Alternativroute durch ein kleines Dorf namens Mezni. Auf einem Wanderweg ging es dann langsam bergab. Nach etwa 2 km war eine Aussichtsplattform, von der aus man das Felsentor sehen konnte. Ein Fernglas war aufgestellt und Fotos zeigten, wie sich der Wald von dem Feuer erholt. Die Fotos und den Text zeigt der nächste Teil.










Der Text unter den Fotos war (1)… aber innerhalb weniger Tage entstand an der Brandstelle neues Leben. Zu den ersten Kolonisten gehörten Pilze. Sie wuchsen auf den versengten Stämmen, verkohlten Ästen und der verbrannten Erde. Ihre mikroskopisch kleinen Sporen haben Jahrzehnte auf diese Chance gewartet. (2) Die frische Feuerstelle ohne konkurrierende Vegetation bot auch günstige Bedingungen für das Brunnenlebermoos (Marchantia polymorpha). Eine besondere Pflanze. die mit Moosen verwandt ist. Als ob sie nicht einmal aus unserer Welt käme …(3) Der Adlerfarn (Pteridium aquilinum\ überlebte das Feuer dank seiner tief in den Boden eingegrabenen Wurzelstöcke. Fächer von neuen grünen Blättern konnten so den noch kahlen und schwarzen Boden nur wenige Tage nach dem Löschen der Flammen wiederbeleben. (4) In den ersten Monaten nach dem Brand dominierte die gelb-grüne Farbe der Moosteppiche von dem wetteranzeigenden Drehmoos (Funaria hygrometrica) die Brandstelle. Millionen von Moospflanzen begannen, den Boden für die Rückkehr anderer Arten vorzubereiten. (5) Nach und nach begannen auch die Tiere zurückzukehren. Zu den ersten gehörten diejenigen die Flügel haben oder darauf spezialisiert sind, auf Brandflächen zu leben. Die Insektenschwärme zogen auch kleine Singvögel wie die Haubenmeise (Lophophanes cristatus) an. (6) Ein Jahr nach dem Brand war die Brandstelle von Hänge-Birken (Betula pendula) beherrscht. Millionen von kleinen und leichten Birkensamen übersäten die umliegende Landschaft, und junge Bäume bedeckten den verbrannten Boden schnell mit einem grünenen Teppich. (7) Zwei Jahre nach dem Brand wachsen im Schatten der Birken auch andere Baumarten wie Buche. Eiche, Kiefer und Fichte. Ein neuer natürlicher Mischwald entsteht vor unseren Augen. Ein Wald, der wie der mythische Phönix aus der Asche auferstanden ist…
Von der Aussichtsplattform konnte man das Prebischtor gut er kennen. Hinter dem Tor wurde ein Hotel gebaut. Im abgebrannten Wald standen noch die Baumstüpfe, aber das grüne Unterholz dominierte bereits den Blick.





Wir verzichteten auf die Weiterfahrt, denn heute hätten wir den Aufstieg zum Tor nicht mehr geschafft. Stattdessen suchten wir auf der Rückfahrt Pilze am Wegrand und wurden schnell fündig. Karin verwandelte die beiden grossen Steinpilze, die Rotkappe, den Birkenpilz und den Pfifferling von gestern in ein leckeres Abendessen. Dazu gab es aufgetaute Semmelknödel, die wir von zuhause mitgebracht hatten.


