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25. – 30. April 1976 – Drâa-Tal und Zagora

25. April 2019 – Weiterfahrt über den Tizi n’Ticka Pass Richtung Süden. Sehr schöne Gegend, überall wurden an Ständen Amethysten angeboten. Wir hatten gelesen, dass diese Steine hier gefärbt werden und daher oft wertlos sind. Später kurz vor Quarzazate wüstenähnliche Gegend.

26. April 1976 – Wir fuhren weiter Richtung Zagora. Am Oued Drâa hielten wir an, badeten, fingen Frösche und übernachteten in der Nähe des Flusses vor einem Haus. Der Besitzer, den wir um Erlaubnis fragten, brachte uns später Tee und später sogar etwas zu essen. Er verstand leider kein Wort französisch, saß immer nur da und sagte „d’accord Monsieur“, wenn man ihn ansprach. Nachts stellten wir fest, dass der Mann die ganze Nacht mit dem Gewehr Wache stand, um uns zu beschützen. Wir mussten die armen Leute ganz schön in Bedrängnis gebracht haben und bedankten uns am nächsten Morgen überschwenglich für die gewährte Gastfreundschaft.

27. April 1976 – Weiterfahrt nach Zagora. Hartmut hat Durchfall und wir hatten eine Reifenpanne. Auf dem Campingplatz von Zagora übernachteten wir. Abends kamen noch einige Marokkaner mit Zelt, sonst waren wir die einzigen Gäste. Wir spielten Mühle und waren letztendlich einigermassen angetrunken. Heute tranken wir das letzte mitgebrachte Alpirsbacher Bier.

28. April 1976 – Markt in Zagora. ich kaufte ein Tuch und einen Dolch. Es war sehr heiß im Restaurant. Warmes Guiness Bier bei 28° im Schatten getrunken. Mittags musste noch das Auto repariert werden, weil die Lichter nicht mehr funktionieren. Abends wurden wir zu Tagine eingeladen. Es stellte sich heraus, dass unser Gastgeber der Polizeichef von Zagora war. Er kam mit seinem Polizeiauto auf den Campingplatz gefahren und brachte einen Kollegen mit. Während die Beiden das Essen zubereiteten, mussten wir alkoholische Getränke kaufen gehen. Die Marokkaner aßen nicht viel, sondern tranken sich fast besinnungslos. In der Nacht erlaubten sie uns sogar mit Blaulicht durch den Campingplatz zu fahren – das war vielleicht ein Abend. Wir diskutierten noch, ob es möglich wäre mit unserem Bus durch die Wüste nach Erfoud zu fahren. Beide waren sicher, dass der Bus das schaffen würde und dann gaben uns noch ein paar Hinweise, wie wir zu fahren hätten und dass wir sehr früh los müssten, wenn wir bei Tag ankommen wollten.

29. April 1976 – Wir standen morgens um 6:00 Uhr auf und fuhren um 7:30 Uhr ohne Frühstück los. 270 km Piste quer durch die Wüste lagen vor uns. Die ersten 70 km bis Tazzarine waren extrem schlechte Piste, von Straße konnte man überhaupt nicht sprechen. Besonders schlecht war es, wenn man durch Wadis fahren musste und das kam öfter vor als uns lieb war. In Tazzarine fragte uns ein Mann, ob wir ihn und seine Frau mitnehmen könnten nach Alnif. Wir sagten zu und fuhren zu seinem Haus. Dort wurden wir von seiner Frau, einer Berberin, per Handschlag begrüßt. Sie wohnten in einem alten Berberhaus, das aus Lehm gebaut war. Die Frau war sehr nett und benahm sich total selbstbewusst. Wir wurden zum Tee eingeladen. Die Männer saßen rechts und die Frauen (vier und ein Kind) saßen links und bereitete den Tee zu. Lebhaftes Gespräche zwischen dem Typ und der Frau. Die Frau hatte schweren Silberschmuck am Arm und wir überlegten, wie sie den wohl über die Hand gebracht hatte. Neben uns begannen die Frauen einen Ziegenkopf zu zubereiten, eine Spezialität der Berber und die Hausherrin hatte wohl Gefallen an meinen beiden blonden Gefährten gefunden. Jedenfalls lud sie uns ein, das Haus zu besichtigen. Die Aussicht auf den Ziegenkopf und näheren Kontakt zu dieser Berberin erinnerte uns daran, dass wir noch eine ganze Strecke vor uns hatten. Nach zwei Gläsern Tee drängten wir zum Aufbruch – es war schon fast 13:00 Uhr. Der Typ erklärte uns, dass seine Frau nicht mitfährt. Er wollte aber bis Erfoud mitfahren. Wir fuhren durch weite Ebenen, teilweise Sand-, dann Stein- und Felswüste. Die Ebenen waren immer von Bergen eingerahmt. Kurz wurde die Piste etwas besser, dann folgte eine kilometerlange Wellblechpiste. Der Dachständer löste sich, die Ablage hinten im Bus brach herunter. Gegen 18:00 Uhr kamen wir in Erfoud an. Wir waren fast 10 Stunden gefahren.  Am Ortseingang lag eine Nagelkette über die Strasse und wir wurden misstrauisch kontrolliert. Jetzt erwies es sich als sehr hilfreich, dass wir den alten Mann mitgenommen hatten. Er erklärte den Polizisten, welche Strecke wir heute gefahren sind. Sie waren beindruckt, inspizierten das Auto nur von aussen. Dass wir einen Berber die ganze Strecke mitgenommen hatten, gefiel ihnen sehr. Nach kurzem Gespräch zogen sie die Nagelkette weg und wir konnten in Erfoud einfahren. Nach dieser Strapaze  wollten wir nur noch auf dem Camping und schlafen.

30. April 1976 – Morgens ging Hartmut zur Post und kam gegen 11:30 Uhr zurück ohne eine Verbindung bekommen zu haben. Er wollte es nachmittags nochmals versuchen. Manfred und ich reparierten den Bus bis abends um 17:00 Uhr. Ölluftfilter reinigen, Bremsen nachstellen, usw. Kurz bevor wir gehen wollten, kamen noch Deutsche an. Wir unterhielten uns mit Ihnen und gingen dann zusammen in die Stadt. Hartmut sass immer noch auf der Post und wollte bis 18:30 Uhr warten, da die Post dann schloß. Als wir durch die Souks gingen (sehr kleines Gebiet) gingen wir in einen Basar, ich kaufte drei Ringe. Der Basarbesitzer fragte, ob wir bei ihm Abendessen wollten – Couscous für 5 Dirham pro Person. Wir sagten gerne zu.

Hartmut wurde in der Stadt von einem vielleicht 14jährigen Jungen namens Yussuf angesprochen, ob wir nicht in die Sandwüste fahren wollten. Da die beiden Deutschen, sie kamen aus Wesel, auch dorthin wollten, machten wir einen Preis für den Führer aus. Er sollte 25 Dirham für zwei Tage bekommen.Nach kurzer Diskussion entschieden wir, dass wir auch mitfahren.

Abends gingen wir dann zu dem Basarbesitzer, der zwei Frauen und von jeder fünf Kinder hatte. Nur die Männer sassen beim Abendessen zusammen. Das Couscous schmeckte sehr gut, war mit Rosinen und Lamm. Er war durch und durch Geschäftsmann und wollte uns noch weiteren Silberschmuck verkaufen. Hartmut kaufte schliesslich einen Anhänger für seine Kette für 20 Dirham, der zuerst 75 kosten sollte. Schliesslich gab er den Anhänger sogar für 20 Dirham her, nachdem er Hartmuts Geldbeutel genaustens durchsucht hatte und dieser nur noch 20 Dirham enthielt. Gegen 22:00 Uhr schlichen wir uns dann so leise wie möglich zurück zum Zeltplatz.

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