Agra

Auf der Fahrt nach Agra haben wir Rajasthan verlassen und sind jetzt im Bundesland Uttar Pradesh. Agra ist eine Grossstadt mit mehr als 1,5 Millionen Einwohnern. Der Touristenmagnet von Agra, eines der sieben Weltwunder, ist das Taj Mahal, das Shah Jahan von 1631 bis 1648 als Mausoleum für seine Gattin Mumtaz Mahal erbauen ließ. Auch er selbst wurde in diesem Bau beerdigt. Die Beiden liegen bis heute tief unter der Gebäude begraben. Shah Jahan war ein Grossmogul, d.h. er kam aus Persien und daher ist der Baustil auch persisch und die Inschriften sind in Persisch. Seine Lieblingsfrau – sie waren 16 Jahre verheiratet – für die er das Mausoleum erbauen liess, starb bei der Geburt des 14. Kindes im Alter von 39 Jahren. Auf dem Totenbett wünschte sie sich von ihrem Mann ein Grabmal, wie es die Welt zuvor noch nie gesehen hat, um ihre grosse Liebe für ewig zu demonstrieren.

Jahan war ein Fanatiker in Sachen Symmetrie, daher wurde alles, selbst die Gärten, streng symmetrisch konzipiert. Wertvolle Einlegearbeiten enthielten Edelsteine.Die 4 Minarette wurden nicht senkrecht erbaut, sondern in einem Winkel von 18 Grad nach aussen geneigt. Im Fall eines Erdbebens würden sie das Grabmal so nicht beschädigen.

Man beachte mein apartes Schuhwerk.

Da das Taj Mahal ein heiliges Bauwerk ist, muss man entweder die Schuhe ausziehen oder diese hübschen Überzieher benutzen. @ JULIAN: Haben dabei an dich gedacht ;-). Wir mutmaßen, dass dadurch, dass alle damit rumlaufen, gleichzeitig der Boden geputzt wird. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Würden sie unten noch kleine Bürstchen anbringen, wäre die Putzaktion perfekt.

Die Spitze auf der Kuppel war aus reinem Gold mit einem riesigen Diamanten an der Spitze. Der Diamant wurde Lord Mountbatten (Generalgoverneur und Vizekönig von Indien) geschenkt, zerteilt und einer der Teile ziert die Krone der englischen Königin (behauptet jedenfalls unser Guide, im Internet habe ich nichts darüber gefunden). Die Edelsteine aus der Fassade wurden inzwischen alle gestohlen. Shah Jahan wurde von seinem Sohn entmachtet und verbrachte den Rest seines Lebens als Gefangener im Roten Fort mit Blick auf’s Taj Mahal, er hatte für den Bau des Taj Mahals zu viel Geld ausgegeben. Das war seine Aussicht bis er starb im Jahre 1666.

Das Innere des Taj Mahals ist ebenfalls zugänglich, man darf aber nicht fotografieren. Man sieht die beiden Grabstätten, die fast vollständig von einem “Zaun” aus mit Edelsteinen verzierten Marmor bestehen. Die Kuppel verstärkt jedes Geräusch, das führt dazu, dass viele Inder laute Rufe ausstossen, nur um das Echo zu hören.

Nach der Führung bringt uns der Guide zu einem Handwerksbetrieb, in dem die Nachfahren der Erbauer des Taj Mahal bis heute Einlagearbeiten in indischen Marmor erzeugen. Indischer Marmor soll besonders hart sein, daher ist diese Arbeit sehr mühsam. Die Halbedelsteine werden an einer Smaragdscheibe von Hand zu kleinen Scheibchen geschliffen und mit einem speziellen Leim eingeklebt. Anschliessend wird das ganze Teil plan geschliffen. Natürlich war das eine Verkaufsvorführung, aber wir sind inzwischen gewohnt einfach zu sagen, dass alles sehr schön ist, aber nicht zu unserem Stil passt. Für eine Tischplatte 40×40 cm wollte er 310 Euro, Transport nach Deutschland zusätzlich. Die Tischplatten sind wirklich sehr schöne Arbeiten.

Danach ging es noch zum Roten Fort von Agra, einer Festungs- und Palastanlage aus der Epoche der Mogulkaiser (Baubeginn 1565). Es wurde von Shah Jahan später erweitert und ist von einer bis zu 21 Meter hohen Mauer umgeben, deren Umfang 2,4 Kilometer beträgt. Der Wassergraben ringsherum war mit Krokodilen bevölkert. Das Rote Fort wurde 1983 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Ein grosser Teil des Geländes wird heute militärisch genutzt und ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Eine Beerdigungsgruppe auf dem Weg zur Verbrennungsstelle, die gerade vorbeizog, als wir das Fort verliessen. Nur Männer dürfen an der Zeremonie teilnehmen.

Natürlich versuchen auch wir mit unseren chinesischen Mitbewerber(inne)n beim Selfie machen zu konkurrieren. Karin’s Arme sind zu kurz, jetzt verstehen wir den Sinn der Selfiesticks.

Man ist auch nicht ganz allein am Taj Mahal, das bleibt königlichen Häuptern vorbehalten.

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