Ajmer – Heilige Stadt der Muslime

Morgens weckt uns lautes Getrommel, es hört sich so an, als ob sehr viele Leute in der Nähe wären, aber als ich auf das Dach steige, sieht man niemanden. Jedoch tolle Morgenstimmung um Fotos zu machen.

Die ersten Pilger sind trotz der Kälte schon am heiligen Wasser und ein ganz Abgehärteter badet sogar.

Nur wenige Kilometer von Pushkar entfernt liegt Ajmer, eine Grossstadt mit mehr als 500000 Einwohnern. Besondere Bedeutung hat Ajmer als heiliger Ort der Muslime, da sich hier das Grab von Khwaja Muin-ud-din Chishti, einem als heilig verehrten Sufi, befindet. Satnam war nicht besonders angetan von unserer Idee Ajmer zu besuchen, liess sich aber umstimmen und so ging es über einen kleinen Pass, Ajmer liegt in einem Talkessel des Aravalligebirges, von dem man eine guten Blick über die Stadt hat.

An einem Hotel hält er an und erklärt uns, dass er nicht reinfahren darf. Er organisiert ein Tuktuk, unterhält sich lange mit dem Fahrer und schliesslich macht das Tuktuk für 350 Rupien mit uns beiden die Fahrt zur heiligen Moschee. Satnam warnt uns nochmals, gut aufzupassen auf unsere Sachen, es würde geklaut und wir könnten belästugt werden. Als der Tuktuk-Fahrer meine Kamera sieht, sagt er sofort, dass die nicht erlaubt wäre. Also lassen wir sie im Auto, Satnam bewacht ja alles. Der Tuktuk-Fahrer lässt uns am Rand der Altstadt aussteigen, sagt, wir sollten 5 Minuten warten, er müsste eine Parkplatz suchen. Beim Warten rennen einige Schweine an uns vorbei, manche ganz schwarz, andere hellbraun mit Irokesenfrisur auf dem Rücken. Die Schwarzen würden bei uns gut als Wildschweine durchgehen. Die Schweine ersetzen hier die Kühe und fressen den ganzen Müll. Als Schwein lebt es sich vollkommen sicher zwischen Moslems.

Der Fahrer kommt auch tatsächlich wieder und geleitet uns durch die Marktstrasse, die direkt zur Moschee führt. Es ist vollkommen anders als bisher, viele Leute zwar, aber fast kein Verkehr, wenig hupen, die Leute beachten uns kaum, keiner belästigt uns. Das Warenangebot ist nur auf Einheimische ausgelegt, es gibt ausser uns keine ausländischen Touristen. Je näher wir zur Moschee kommen, desto mehr Bettler sind sichtbar. Einige Krüppel wälzen sich am Boden in Richtung Moschee, da sie wegen irgendwelchen Gebrechen nicht mehr gehen können, immer einen Blecheimer für Spenden vor sich herschiebend. Andere sitzen auf kleinen Rollbrettern und schieben sich durch die Menge. Ein erbärmlicher Anblick, viele Muslime spenden ihnen. Je näher man dem Eingang der Moschee kommt, desto mehr nimmt das Gedränge zu. Heute, am Nationalfeiertag, nutzen viele Gläubige die Zeit, um in die Moschee zu gehen. Der Fahrer bedeutet mir, dass ich eine Kopfbedeckung brauche (kann man drinnen für 10 Rupien kaufen) und dass sich Karin mit ihrem Schal den Kopf bedecken soll. Wir geben unsere Schuhe ab, sie liegen jetzt bei ca 1000 anderen Paaren, aber wir können sicher sein, dass wir sie wieder bekommen. Plötzlich laufen 2 kleine Esel allein durch die Menge, scheinbar aus dem Nichts kommend. Die Leute weichen erschreckt zurück.

Der Fahrer wartet aussen und wir beide gehen durch den nicht-funktionierenden Metalldetektor, gleich dannach kaufe ich das Käppi und dann können wir vollkommen unbelästigt die ganze Moschee durchwandern. Nur das Heiligtum können wir nicht ansehen, einen 100 m lange Schlange wartet dort und wir überlassen es den Gläubigen dort zu beten. Vor dem eigentlichen Mausoleum ist ein grosses Becken, an dem sich die Menschen Hände und Füsse waschen, wie es Brauch ist. Im Inneren sind überall Stände, an denen man sich Blumen als Opfergabe kaufen kann. Obwohl einige mit ihren Handys Bilder machen, getrauen wir uns das nicht. Wir erfahren später vom Fahrer, dass das erlaubt gewesen wäre. Schade, so gibt es mal keine Bilder von diesem Erlebnis. Am Ausgang schüttelt mir der Einlasswächter die Hand und fragt, woher wie kommen. Germany entlockt ihm in gutem Deutsch “Alles Gute”. Unsere anfängliche Unsicherheit, was uns in der Moschee erwartet, weicht dem freudigen Gefühl, dass man überall auf der Welt willkommen ist, wenn man sich an einige Regeln hält. Wir gehen die lange schnurgerade Marktstrasse zurück, machen doch noch 2 Bilder mit dem Handy, der Fahrer holt sein Tuktuk und bringt uns zurück zum Auto.

Ajmer liegt an einem grossen See, wesentlich grösser als der See in Pushkar. Bei der Rückfahrt fallen uns die vielen Vögel auf, die auf Felsen sitzen oder am Rand des Sees herumstolzieren. Es sind Pelikane, Fischreiher und andere Arten, die wir bisher noch nicht gesehen haben. Während wir dastehen, fängt einer der Reiher einen grösseren Fisch und verschlingt ihn vor unseren Augen. Das Wasser ist grün von den Algen, die wegen des Abfalls am Rand des Sees wachsen. Der Vogel auf dem Beitragsbild, vermutlich eine Rohrdommel, hatte ganz grüne Stelzenbeine und einen grünen Schnabel.

 

An der Strasse gab es auch noch eine Herde Affen, die dort offensichtlich gefüttert wurden.

Zu guter Letzt schauen wir noch den sehr schönen Sikh-Tempel in Pushkar an, in dem unser Fahrer während das Aufenthalts umsonst wohnen und essen darf. Er hilft dafür etwas bei der Reinigung des Tempels. Pushkar ist auch für Sikh’s ein heiliger Ort, weil ihr Religionsgründer hier verweilt hat.

Man muss sich das Haupt bedecken, was mit dem kleinen Tüchlein, das mir Satnam gab, nur mühsam gelang. Bevor ihr euch jetzt totlacht, mach ich für heute lieber Schluss.

Ein Gedanke zu „Ajmer – Heilige Stadt der Muslime

  • 31. Januar 2018 um 17:15
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    das sieht ja wirklich lustig aus 🙂

    Antwort

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