04. September 2022

Die Entscheidung fiel uns am Morgen noch leichter, denn jede Stunde – auch in der Nacht – brauste ein Schnellzug mit ziemlichem Getöse am Platz vorbei. An der ganzen Küste verläuft der Zug etwa 200 m parallel zum Strand. Die Unterführungen waren teilweise nur 1,90 m hoch. Der Weg zurück zur Hauptstrasse führte durch eine Unterführung, die mit 2,90 m Höhe angegeben war. Vor der Unterführung stieg Karin aus, um zu checken, ob unser Bus ohne oben anzustossen durchfahren konnte. WIr hatten noch mindestens 20 cm Platz.

Obwohl wir anfangs weiter an der Küste entlangfahren wollten, änderten wir – auch wegen des Wetters – es war recht bewölkt und manchmal tröpfelte es – spontan unsere Meinung und fuhren in ein Bergdorf namens Chieti, das direkt oberhalb von Pescara liegt. Mit dem WoMo konnte man fast bis ins Ortszentrum fahren. Auf einem grossen Parkplatz stellten wir es ab und radelten ins Zentrum. Die beiden katholischen Kirchen waren von Brautpaaren besetzt. Vor der Kirche warteten viele Gäste in Festtagskleidung – es gab wohl ein Kontingent, das in die Kirche durfte. Das Bergdorf war schnell besichtigt, obwohl es viele schöne aber auch weniger schöne – sprich sanierungsbedürftige – Ecken gab. Unter den Arkaden residierte ein nettes Jugendstil-Café – aber alles in allem war wenig los.

Spontan beschlossen wir weiter in die Abruzzen zu fahren. Im Reiseführer lasen wir über eine Schlucht namens Gole di Sagittario, die man unbedingt besichtigen sollte. Also fuhren wir die etwa 75 km lange, landschaftlich sehr schöne  Strecke durch die Abruzzen. Immer wieder standen am Strassenrand Schilder, die auf Unfälle mit Braunbären hinwiesen. In den Abruzzen leben wohl viele Braunbären, aber auch Wölfe und Luchse. Kurz vor unserem Ziel fuhren wir an einem Hinweisschild vorbei, das einen Stellplatz am Eingang zu dem Pfad zu der Gole di Sagittario hinwies. Wir setzten zurück, fuhren eine steile Strasse hinab und fanden einen kleinen vollkommen leeren Stellplatz für 10 Wohnmobile vor. Der Platz hatte ein Boden aus hellen Kieselsteinen, kleiner Sanitärblock (nur ein Klo und eine Dusche). Wir riefen den Manager des Stellplatzes an und konnten für die Nacht bleiben. Der Stellplatz liegt in der Gemeinde Anversa degli Abruzzi. Nach einem kleinen Vesper wanderten wir durch das Riserva Naturale Gole del Sagittario. Noch von der Strasse sahen wir mehrere Jurten am Bachufer – Glamping über airbnb buchbar für 110 € pro Nacht.

Dann kamen wir an einen Parkplatz mit einem Lageplan, der uns etwas verwirrte. Schliesslich folgten wir dem Trail 18, der uns entlang des Bachs Sagittario in eine Schlucht führte. Rechts und links steil aufragende Felswände. Immer wieder Schilder die auf die Gefahr durch Steinschlag hinwiesen. Der Weg führte leicht bergauf, ging über mehrere kleine Holzbrücken immer tiefer in die Schlucht. Am Wegrand wuchsen rosa Alpenveilchen. Nach etwa einer Stunde – wir waren etwa in der Mitte des Reservats kehrten wir um. Zurück am Platz nahm Karin eine kalte Dusche an einem Wasserschlauch. Dann kam der Manager, ein dicker Mann, der kaum aus seinem Fiat aussteigen und wohl nur nach tiefem Ausatmen lenken konnte, um zum kassieren – 20 € pro Nacht. Seine Frau reinigte derweil das Klo und die Waschbecken. Als ich sie nach einer Dusche fragte, zeigte sie mir einen Duschraum in dem kleinen Gebäude und ich konnte sogar warm duschen – Solarthermie auf dem Dach machte es möglich. Der Platzmanager sagte mir, dass heute abend leider kein Restaurant geöffnet hätte, im Dorf gab es ein privates Fest. Kurz danach wurde ein lautstarkes Feuerwerk abgebrannt, das eine halbe Stunde später von einem anderen Feuerwerk in einem Nachbardorf beantwortet wurde.

Wir hatten Tisch und Stühle ausgepackt und sassen vor dem Bus. Plötzlich hörte ich einen Donner, blickte hinter mich und sah ein Gewitter aufkommen. Wir räumten schnell ein und mit dem letzten Stuhl begann es bereits zu regnen. Das Gewitter war nicht besonders stark, aber es regnete 2 Stunden. Die weissen Kiesel erzeugten nachts den Eindruck eines verschneiten Platzes, sah skurril aus.

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