16. September 2022 – Lecce

Neben uns hatte sich eine Wiener Grandler eingenistet, der ständig maulte und sich abends, als sie vom Essen zurückkamen, vor ihrem Wohnmobil noch lautstark beschwerte, dass er zu viel gegessen hatte und ihm der Ranzen spannt. Nja, man hört halt alles was um einen herum erzählt wird. Am Morgen standen wieder einige Leute am “Bäckerstand” an, das ist der Ort an dem der Bäcker gegen 8.30 Uhr mit seinem Kleinbus anhält. Ein Mann aus Denkendorf (bei Stuttgart) erzählte über die Geschichte des Orts, denn er kommt seit 6 Jahren jeden September hierher. Ein grauhaariger Typ mit Vollbart aus Essen, der unschuldig und phlegmatisch rumlief,  gesellte sich zu uns. Obwohl er genau wusste, dass ich vor ihm anstand, nutzte er die Gelegenheit, um als Zweiter von 10 Leuten, die in der Reihe standen, ans Brot zu kommen. Der Denkendorfer war da feinfühliger und schob mich vor, da ich doch vor ihm da war. Er hatte ständig Anekdoten parat und erzählte zum Beispiel, dass in dem Ort Peschici, in dem wir auch übernachtet hatten, im Jahr 2012 32 Millionen Euro im Lotto gewonnen wurden. Ein Kioskbesitzer hatte die Teillose an insgesamt 99 Bewohner des Ortes verkauft bzw als Rausgeld verteilt und jedes Los bekam dann 300 000 €. Der Kioskbesitzer konnte nicht alle Teillose an den Mann bringen und bekam daher x Mal die 300 000 €. Nette Geschichte, die man im Internet nachlesen kann.

Wir hatten bereits am Vorabend bezahlt und gleich 5 Liter Olivenöl (10 € / L) gekauft. Daher hätten eigentlich zeitig losfahren können, wenn da nicht zeitliche Beschränkungen bei Entleeren des Abwassertanks und der Toilette streng gegolten hätten. So mussten wir bis 9:32 Uhr warten, bis ich vor den Entsorgungsplatz fahren konnte und man mir 13 Minuten !! vor dem eigentlichen Zeitpunkt die Schranke öffnete. Dann ging es aber los, beim nächsten Supermarkt deckten wir uns noch mit Wasser, Wein, Obst, Wurst und Käse ein und fuhren die etwa 25 km nach Lecce. 100 m vor der Altstadt fanden wir einen Parkplatz, Räder runter und rein ins Städtchen. WIr fahren und schieben unsere Räder durch die Gassen. Alle Häuser sind aus Tuffstein. Es gibt zig Kirchen, die manchmal schon etwas verrückt aussehen. Leccerer Barock nennt man das, aber die Gestaltung der Fassade ist wirklich Geschmacksache.

Heute war auch Hochzeit in Lecce angesagt, erst stand eine Braut im weissen Kleid etwa 50 m vor der Kirche, der Bräutigam winkte und winkte, aber sie und ihre Brautjungfern sahen es nicht. Dann fuhr ein rotes Ferrari-Cabriolet mit einer Braut durch die Fussgängerzone und als wir beim Essen saßen kam doch tatsächlich ein Brautpaar – sie natürlich im weißen Brautkleid – die Gasse entlang. Viele Leute applaudierten und die Brautleute zogen weiter zum Fototermin auf einem angrenzenden Platz.

Nach 2 Stunden bei 32 °C im Schatten gaben wir auf, setzten uns in ein Bistro, aßen und tranken etwas und fuhren dann weiter nach Porto Cesareo imGolf von Tarent. Der angepeilte Camping öffnete aber erst wieder um 16 Uhr und wir wollten nicht 1,5 Std warten. Daher fuhren wir weiter Richtung Tarent und fanden schliesslich einen Stellplatz direkt am Meer in der “Area Il Saraceno” an der Punta Prosciutto. Obwohl weder Toiletten noch Trinkwasser vorhanden sind, werden 20 € für die Übernachtung verlangt. Aber dieser Stellplatz, ohne eigenen Strand aber mit Strand in 200 m, ist der Einzige am Meer und schön unter Bäumen gelegen. Der Platz, den wir ausgesucht hatten, hatte zwar schönen Blick aufs Meer, aber er erwies sich als ausgesprochen windig. Nach einer Stunde wechselten wir den Platz und standen dann unter niederen Bäumen praktisch windstill. Der Himmel hatte sich zugezogen, es regnete leicht, dann kam plötzlich ein Regenbogen.

Schon gestern Abend fiel uns auf, dass die Luftfeuchtigkeit zugenommen hatte. Morgens triefte der Tau von den Fenstern und auf dem Tisch stand das Wasser. Man kam sich vor, als würde alles irgendwie kleben. Das war den ganzen Tag so und selbst, als ich diese Zeilen schrieb, klebten meine Finger an der Tastatur.

Hinter den Regenwolken sah man über Kalabrien bereits die Sonne scheinen und ein schöner Sonnenuntergang kündigte sich an. Die Managerin des Platzes zeigte mir ein Video, das sie vor 3 Tagen aufgenommen hatte. Es zeigte den perfekten Sonnenuntergang, aber man sah auch alle Berge Kalabriens mit einer unglaublichen Schärfe.

Inzwischen waren Lisa und Julian bei uns zuhause angekommen und wir führten einige Gespräche über ihre Urlaubspläne. Wir werden uns am 22. September an der Amalfiküste treffen und Autos tauschen.

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