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18. März 2024 – Noch 33 km zum Nordkap

9:00 Uhr – wir sind auf der Fahrt nach Honningsvåg. Über dem Meer herrscht dicker Nebel, man kann kaum 100 m sehen. Also muss ich halt schildern, was es draussen theoretisch zu sehen gäbe. Die Insel, auf der das Nordkap liegt, heisst Magerøya (= karge Insel). Mager heisst auf norwegisch etwa das gleiche wie auf Deutsch – nichts zu essen, schlank.  In den kurzen Polarsommern sprießen auf Magerøya etwa 400 verschiedene Pflanzen, wie Blütenpflanzen, Flechten, Moose und Gräser. Eine dieser Pflanzen, die Rentierflechte, bildet die Hauptnahrung der Rentiere, die während der kurzen Sommerperiode auf der Insel weiden. Es handelt sich um etwa 6000 Rentiere der Samen aus der Stadt Karasjok, nahe der norwegisch-finnischen Grenze. Heutzutage werden die Rentiere im Frühjahr mit Lastwagen und Landungsbooten der norwegischen Marine zur Insel transportiert. Im Herbst sind es dann etwa 9000 Tiere, die so weit zu Kräften gekommen sind, dass sie die ca. 1,8 km lange Strecke zum Festland schwimmend zurücklegen können. Angeleitet wird die Gruppe von einem Weibchen, das den Ort vorgibt. Bei der Besprechung gestern wurde ein Video dieses Ereignisses gezeigt. Wirklich beeindruckend, wie sich die Rentiere ins kalte Wasser stürzen, los schwimmen und wie die jungen Tiere zwischen 2 Erwachsenen mit schwimmen und so vor dem Abtreiben geschützt werden. Magerøya ist mit dem Festland durch einen 6870 m langen  Tunnel verbunden, der an seiner tiefsten Stelle 212 m unter dem Meeresspiegel liegt. Es ist der tiefste und steilste (bis zu 10 % Steigung !) Unterwassertunnel Norwegens.

Wir hatten gestern Abend noch den Ausflug zum Nordkap gebucht (3256 NOK = 282 Euro für uns beide). Es werden 3 Busse fahren und wir hoffen, dass die Wolken zumindest soweit aufreissen, dass man das Wahrzeichen am Nordkap sehen kann. 10:38 Uhr – eine Durchsage kündigte an, dass die Strasse zum Nordkap wegen Schnee und Wind geschlossen wurde. Also bleibt nur die Besichtigung des kleinen Ortes, mal schauen. Zwischen Nordkap und Nordpol liegen nur noch 2100 km. Als wir das Schiff verliessen, tobte ein kleiner Schneesturm. Wir gingen bis zur Kreuzung und hielten uns rechts. Auf verschneiten Strassen gingen wir ingesamt etwas mehr als 1 Stunde umher. Es gab nur wenig zu sehen. Wir gingen mehr oder weniger durch eine Wohngegend. Jedes Haus hatte eine Holzfassade und jedes hatte eine andere Farbe. Wir überlegten in welcher Farbe wir unser Haus streichen würden und fanden ein dunkles rot am Schönsten.

Vor einem Laden stand ein Schlitten, den wir als Schneerollator einordneten und tatsächlich beobachteten wir später mehrere ältere Frauen, die mit diesen Schlitten einkauften. Wenn man mit dem linken Fuss auf einer Kufe stand, konnte man einfach mit dem anderen Bein anstossen und kam auf der verschneiten Strasse schnell vorwärts.

Vielleicht ein paar Zahlen zu den Getränkepreisen an Bord, die man ja nirgends im Internet finden kann. Nicht-alkoholische Getränke kosten durchweg 99 NOK (= 8,58 €). Hat man ein Getränkepaket für 246 € vorgebucht, ist es 40 nicht-alkoholische Getränke wert, ein Getränk kostet dann “nur” noch 6,15 €, falls man alle 40 Getränke verbraucht (keine Rückerstattung). Ein Glas Wein (0,2 l) kostet 179 NOK (= 15,50 €) und ein Bier 129 NOK (= 11,20 €).

Um 14:30 Uhr fuhr das Schiff dann weiter, immer noch dicke Suppe. Man kann gerade mal 50 m auf das Meer hinaussehen. Zwei Stationen nach Honningsvåg kam Kjøllefjord, ein kleines Fischerdorf mit rund 1.000 Einwohnern. Vor der Einfahrt in den Hafen kam die Felsgruppe Finnkirka. Finnkirka ist eine Klippe, die das Meer wie eine Kirche geformt hat. Diese ungewöhnliche Kreation der Natur ist eine alte Opferstätte der Samen und früher fuhren Fischer vor der Ausfahrt zum Beten an diese Klippe. Bei der Rückkehr bedankte man sich dann dort wieder für den Schutz. Diese Klippe ist nachts beleuchtet, damit man sie immer sehen kann. Wegen des Nebels und des Schneetreibens bekam ich Bilder mit ungewöhnlichen Stimmungen. Wenn man dann in den Hafen einlief, sah man die Siedlung tiefverschneit am Hang liegen. Eine ziemlich trostlose Stimmung lag über dem Dorf.

Um 17 Uhr gab es wieder ein Treffen des Expeditionsteams und einige Erklärungen über das Volk der Samen, den Ureinwohnern des Nordens, auf dem Panoramadeck (erste 3 Fotos). Nach diesem Hafen lief das Schiff Mehamn an, die nördlichste Anlaufstelle der Hurtigruten. Hier pfeift der Wind hörbar in unserer Kabine. Es war nur ein sehr kurzer Aufenthalt und draussen war bereits Nacht (19:15 Uhr). Zum Abendessen gab es heute als Vorspeise Stockfischschnipsel auf italienische Art für mich und gebeizte Karotte für Karin. Als Hauptgang aßen wir beide Rindersteak. Das Fleisch war eher Filet und schmeckte super. Der Pannacotta Nachtisch war dann aber zu übermächtig und wir liegen jetzt recht erledigt im Bett.

Es wäre toll, wenn sich das Wetter in den nächsten Tagen bessern würde. Wenn man die Landschaft nicht sehen kann, an der man vorbeifährt, wird die Zeit auf dem Schiff doch etwas lang. Die Londoner, mit denen wir uns die letzten Tage beim Abendessen den Tisch geteilt haben, werden morgen das Schiff verlassen. Mal sehen, ob wir dann neue Leute kennenlernen werden.

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