Ranthambhore Nationalpark

Heute morgen früh aufstehen, um 6.30 Uhr kommt der Jeep für die erste Safari. Wir sind 6 Personen plus Fahrer und Guide. Es ist noch ziemlich kalt und wir sind froh, dass das wir genügend warme Sachen dabei haben. Am Eingang zum Park verkaufen sie aber auch Wollmützen. Mit uns fahren ein Paar aus Mumbai, die sehr gut englisch sprechen und übersetzen, wenn es etwas interessantes gibt. Der Guide spricht nur gebrochen englisch. Kaum drin, erfährt der Guide über Telefon, dass es etwas interessantes gibt und wir fahren mit einem Affenzahn über die schlechten Wege, um an einer Stelle anzukommen, an der bereits 4-5 Jeeps stehen. Ein Tiger hatte dort morgens ein Nilgai geschlagen, der Kadaver lag noch rum und die Guides erklären, dass eine grosse Chance besteht, dass der Tiger in den nächsten Stunden zurückkommt, um weiterzufressen. Solange können wir aber nicht warten, nach ca 15 Minuten ziehen wir weiter und entdecken 2 Familien von Rehen. Der Hirsch hat ein schönes Geweih, ist zwar vorsichtig, aber sie türmen nicht. Die andere Familie sind gepunktete Rehe mit 2 Hirschen, sie bleiben in einiger Entfernung.

Ein Nilgai steht noch rum, aber hinter einem Baum und nicht fotogen positioniert. Wir kommen wieder zum Kadaver und die Guides behaupten den Tiger am Hang, ca 200 m entfernt, gesehen zu haben. Alle Suche mit dem Fernglas bleibt jedoch erfolglos. Wir ziehen ab und fahren zurück, uns erwartet das Frühstück.

Vom Guide erfahren wir, dass man verschiedene Zonen wählen kann für die Safaris. Wir waren in Zone 7, während in Zone 2-6 die Chance auf Tigersichtung bei fast 90 % liegen soll.

Um 14 Uhr werden wir abgeholt, es geht zur Zone 2. Eine vollkommen andere Landschaft erwartet uns. Links Berge mit einem imposanten Fort drauf, rechts Bäume, fast ausgetrocknete Flussläufe. Bereits kurz nach dem Eingang stehen einige Autos und wir sehen einen Tiger, aber nur für einen Augenblick. Es werden immer mehr Autos, die ganze Strasse ist blockiert. Jeder wartet, dass der Tiger irgendwann aus dem Gebüsch kommt. Aber er geht unbemerkt an fast allen vorbei. Die Affen geben Warnlaute aus, so dass die Rehe und Hirsche, die überall herumstehen, los rennen um nicht Opfer zu werden. Plötzlich steht er auf der anderen Strassenseite etwas oberhalb (50 m entfernt) und blickt her. Er ist auf der Jagd, es handelt sich um ein junges Weibchen, das noch unerfahren ist, sagen die Guides. Langsam dreht sie sich um und veschwindet hinter einem Baum. Man sieht sie losrennen, hört noch einige Schreie und die Jagd ist beendet. Sie hat einen Hirsch erlegt. Später auf der Rückfahrt sehen wir sie neben ihrer Beute liegen und schlafen. Die vielen Autos, Menschen und der Lärm haben sie überhaupt nicht gestört.

Typische Katzenschlafposition, ich muss gleich an Lucy denken, sie liegt sogar ohne kill so rum, Hauptsache gemütlich. An dieser Pose sieht man deutlich, dass diese Tiger hier nichts zu befürchten haben. Sie haben jede Menge Wild zur Verfügung und sind deshalb auch völlig desinteressiert an den vielen Menschen. Es gab noch überhaupt NIE einen Angriff auf die Autos. Solange man da schön brav sitzen bleibt, hat man nix zu befürchten. Der Menschenauflauf ist schon witzig, manchmal hatte ich das Gefühl, dass wir mehr Jadgfieber hatten, als die Tiger. Unser Fernglas ist eine feine Sache, man kann auf 50 m oder mehr jedes Schnurrbarthaar sehen. Nur schade, dass man damit nicht fotografieren kann, aber das übernimmt ja Achim mit seiner grossen Röhre und so ergänzen wir uns perfekt. Wir haben noch ein Pärchen aus Manchester im Wagen und wenig später entdeckt die Frau einen weiteren Löwen versteckt im Gras liegen. Wir haben echt Mühe, ihn zu entdecken, sie sind perfekt getarnt und wenn man kein geschultes Auge hat wie wir, ist man verloren. Wir finden dafür mehr Steinpilze, gell Heinz 🙂

Überall rechts und links sehen wir jetzt Nilgais und Hirsche mit gesamten Familien, entdecken zwei Eulen in einer Baumhöhle und machen dann irgendwann eine Pinkelpause.

Nein, nicht mitten im Dschungel, man darf das Auto nicht verlassen, sondern an einer Art Rastplatz. Dort begutachten uns ziemlich freche kleine Vögel. Sie hüpfen überall rum, im Auto, auf den Stangen, versuchen etwas Essbares in unseren Rucksäcken zu finden.

Ein Dschungeldrossling (Jungle babbler)

Wanderbaumeister (Rufus treepie) aus der Familie der Raben

Ein Mungo tobt sich aus.

Graue Languren toben überall herum.

Dann geht es langsam wieder zurück. Die Landschaft ist inzwischen in ein irres Licht getaucht, riesige Felsen türmen sich rechts und links unseres Weges, ein altes Fort erhebt sich fast bis in den HImmel und überall fliegen, sitzen und thronen Pfauen. An einem Tümpel liegen zwei kleine Krokodile auf einem Felsen und gleich daneben nagt eine Fischeule an einer Schlange. Unten auf dem Boden jagt ein Mungo. Es ist also wirklich etwas los und wir können mit dieser Nachmittagssafari wirklich zufrieden sein. Im Camp angekommen sind wir mit rotem Staub überzogen, es wird langsam kühler und ich freu mich auf eine heisse Dusche. Aber selbst nach einigen Versuchen, die vielen Hähne zu bedienen, kommt kein Wasser. Achim muss mal wieder zu Hilfe eilen, zumindest kommt jetzt was. Aber leider nur ein bisschen wärmer als kalt!!!! Nein, bitte nicht….es tut sich echt nichts und erst nachdem Achim jemandem Bescheid gesagt hat, kommt heisses Wasser. Ich bin inzwischen fast verbibbert und geniesse die Hitze dafür umso mehr. Ein ereignisreicher Tag war das, vielleicht bekommen wir bald noch mehr Tiger vor die Kamera.

Ein Gedanke zu „Ranthambhore Nationalpark

  • 1. Februar 2018 um 7:44
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    Hallo Ihr beiden,
    da sitz ich bei mir und finde das Wetter mittlerweile auch richtig schlecht. Und das kommt nicht oft vor.
    Und IHR? IHR seid unter Tigern. Unfassbar. Ich finde das irre.
    Ich geh gleich arbeiten und Ihr wartet auf das nächste Abenteuer. So geht’s zu auf dieser Welt. 🤗
    Ich bin gespannt, was ich morgen von Euch lese.
    Liebe Grüße
    Gaby

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